Im Rahmen der Buchvorstellungen des Werkes „Zivilisation du Wahrheit“ von Abdullah Öca|an durch den Verband der Studierenden von Kurdistan e.V. (YXK) und mit Hilfe des Übersetzter des Werkes und dem Sprecher der Initiative „Freiheit für Öcalan – Frieden in Kurdistan“ Reimar Heider, sollte in Stuttgart die letzte der insgesamt 12 Büchervorstellungen einer deutschlandweiten und universitären Vorstellungreihe stattfinden. Hierzu wurden die Vorkehrungen unsererseits schon Wochen im Voraus getroffen, der Kontakt zur Universitätsverwaltung aufgebaut und die Bestätigung und Zusage ihrerseits eingeholt. 
Am Donnerstag, dem 27.07.17, standen wir jedoch als immatrikulierte Studierende und als eingetragene Hochschulgruppe der Universität Stuttgart vor den verschlossenen Hörsälen unserer eigenen Universität. Die Univerwaltung hatte uns am frühen Morgen den Zutritt zu den Räumlichkeiten verweigert, die Hörsäle abgeschlossen und die Räume mit mehreren Zetteln verhängt, auf welchen die Information zu lesen war, dass hier keine Buchvorstellung stattfinden wird. Die Buchvorstellung hätte am jenem Tag im Raum 17.12 stattfinden sollen. Uns wurde schnell klar, welche Interessen hier durch wen vertreten und auf welche Art und Weise artikuliert wurden. In einem Telefonat zwischen uns und der Raumverwaltung der Universität Stuttgart wurde dann Licht ins Dunkel gebracht. Die Polizei hatte das Hörsaalmanagement am Vortag, dem 26.07.17, aufgesucht und mit dem Vorwand von Sicherheitsbedenken die Verwaltung der Universität verunsichert und schlichtweg diese verängstigt. Ob von einer expliziten Gefahrenlage ausgegangen wurde, wird von unserer Seite aus sehr stark angezweifelt, da die Buchvorstellungen an den vorherigen Universitäten reibungslos verliefen, jedoch fragten die zwei Beamten nach Sicherheitspersonal der Universität Stuttgart, die im Falle einer Gefahr einschreiten könnten, und rieten der Verwaltung unsere Veranstaltung abzusagen, denn die Veranstaltung stünde in den sozialen Netzwerken und hatte im Vorfeld für reichlich Aufregung bei den deutsch-türkischen Erdogan-Anhängern, der AKP-Lobbyorganisation der UETD in Deutschland durch ihren Sprecher Fatih Zingal und in den türkischen Medien gesorgt. Die „Sabah“, eines der auflagenstärksten türkischen Tageszeitungen, schrieb in ihrer deutschen Ausgabe von Propaganda an den Universitäten und forderte die deutschen Behörden dazu auf, diese Veranstaltungsreihe zu torpedieren. Uns stellt sich hierbei die Frage, warum die Polizei überhaupt, falls sie von einer expliziten Gefahr durch türkisch-nationalistische Anhänger ausgehe, die Gefahrenbekämpfung an die Universität Stuttgart auslagerte und diese mit einem möglichen Problem und der Angst um die Sicherheit ihrer Studierenden und Mitarbeiter alleine ließ? Ist die Polizei denn nicht für die öffentliche Sicherheit verantwortlich? Wurden hier andere Interessen durch die Polizei verfolgt? Für uns ist es klar, dass bei einem nüchternen Blick auf die gesamte Lage, die Polizei mit Hilfe eines Vorwandes der Sicherheitsgefährdung, welcher halt- und bodenlos ist, versucht hat, die Buchvorstellung zu sabotieren und hier ganz offensichtlich auf die Forderungen der AKP-Lobby in Deutschland und auf Hetzmedien des türkischen Staates eingegangen ist. Hier wurde durch die Polizei tatkräftig eine Veranstaltung verhindert, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Verbrechen des Erdogan-Regimes aufzudecken und Alternativen zu der Faschisierung der Türkei und Lösungsansätze zur friedlichen Beilegung des Konfliktes im Nahen Osten darzubieten.Jedoch ist das Verhalten der Verwaltung der Universität Stuttgart für uns ebenfalls nicht tragbar und wird von unserer Seite aus sehr schwer bedauert. Das Einknicken der Universitätsverwaltung durch fadenscheinige Sicherheitsbedenken der Polizei unserer Veranstaltungsreihe, zeigt nur nochmals überdeutlich, wie schwer Erdogan mit seinen aggressiven und antidemokratischen Provokationen nicht nur das politische Klima in der Türkei vergiftet, sondern auch die der deutschen Zivilgesellschaft. In Zeiten, in denen die türkische Regierung in einem Schreiben an die deutsche Bundesregierung über 600 Unternehmen und Organisationen in Deutschland der Terrorunterstützung bezichtigt und hierbei als einzige Universität auch die Universität Stuttgart auflistet, wäre es geboten sich diesem Wahnsinn entgegenzustellen und der türkischen Regierung und ihren Vertretern, auch hier in Deutschland, Einhalt zu gebieten. Klar, die Universität hätte eventuell negative Schlagzeilen in den türkischen Medien mit der Zustimmung für unsere Veranstaltung riskiert. Jedoch hätte es auch ein sehr großes und hoffnungstragendes Signal an all die unzähligen gefangen genommenen AkademikerInnen, JournalistInnen, Abgeordneten und vielen weiteren Oppositionellen, die für die friedliche Beilegung des Kurdenkonfilikts und die Demokratisierung der Türkei bis heute einstehen und kämpfen, aus Europa gesandt. Es hätte ein Akt demokratischen Solidarität werden können, jedoch wurde es zu einem Beispiel der Intoleranz und des Einflusses ausländischer, totalitärer Herrscher in unserer Zivilgesellschaft, mitten in Europa. Es wurde zu einem skandalösen Zwischenfall, der vor allem die moralisch verwerfliche und opportunistische Beschwichtigungspoilitik der BRD gegenüber Erdogan widerspiegelte. Jedoch sei diesen, die unsere Veranstaltungen behindern auch gesagt: Wir machen weiter! Die Veranstaltung konnte trotz dieser Versuche der deutschen Polizei unsere Veranstaltung zu behindern, und gegen die türkischen Interessen hinweg, erfolgreich mit über 40 TeilnehmerInnen im Lilo-Herrmann- Haus durchgeführt werden.

Berxwedan Jîyan e!

JXK & YXK Stuttgart

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