Solidarität mit Afrin! Verteidigt die Revolution in Nordsyrien und Rojava!

 

In den vergangenen Tagen haben die Drohungen und Provokationen seitens der türkischen Regierung gegen den Kanton Afrin und damit gegen das gesamte Gebiet der Demokratischen Föderation Nordsyrien ein neues Level erreicht. Erdogan lässt verkünden, dass er das gesamte Gebiet entlang der südlichen Grenze der Türkei, nun vollständig von „Terroristen säubern“ werde. Seit Monaten schon bereitet das AKP-Regime einen möglichen Großangriff auf das Gebiet nahe der türkischen Grenze, sowohl propagandistisch, diplomatisch als auch militärisch, vor. Wiederholt wurden Einheiten der türkischen Armee an der Grenze zusammengezogen und die Städte und Dörfer in der Umgebung Afrins waren dem Feuer der türkischen Artillerie ausgesetzt. Immer wieder haben türkische Soldaten mit schwerem Gerät die syrische Grenze überschritten um kleinere Gebiete und strategisch wichtige Punkte zu besetzen. So wurden in den vergangenen Tagen immer weitere Einheiten, Artillerie, Panzer und diverses anderes Kriegsgerät an der Grenze postiert.

 

Das basisdemokratische Projekt im Norden Syriens ist der Regierung Erdogans seit dem ersten Tag ein Dorn im Auge. Nicht nur weil es den Kurdinnen und Kurden in dieser Region gelungen ist sich einen Status zu erkämpfen, sondern auch und vor allem, weil in den befreiten Gebieten Nordsyriens ein neues Gesellschaftsmodell aufgebaut wird, welches sich auf grundlegende Prinzipien, wie Demokratie, Frauenbefreiung und Ökologie stützt. Im Modell der Demokratischen Selbstverwaltung, haben alle Gruppen und Gesellschaften ein Recht auf Mitbestimmung und demokratische Partizipation, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft oder religiösen Zugehörigkeit. Das in den 5 Jahren der Revolution unter größten Anstrengungen errichtete System stellt nicht nur den klassischen Nationalstaat in Frage sondern ist mit seiner auf Kooperativen basierenden Wirtschaft auch eine Alternative zur kapitalistischen Ausbeutungs- und Verwertungslogik.

 

Über Jahre hinweg hat die türkische Regierung zur Vernichtung dieses einzigartigen Projektes, islamistische Banden aufgerüstet, ausgebildet und ihnen freies Geleit durch türkisches Staatsgebiet und über die syrisch-türkische Grenze gewährt. Zuletzt wurde von Seiten führender Vertreter des türkischen Staates verkündet, dass auch die Mörderbanden des sog. „Islamischen Staats“ offene Unterstützung durch das Regime in Ankara erhalten haben. Alle Versuche die Selbstverwaltung durch andere Kräfte niederzuschlagen, sind kläglich gescheitert. Die Menschen im Norden Syriens, allen voran die Frauen und die Jugendlichen, haben über Jahre hinweg einen wahrlich heldenhaften Widerstand geleistet und bis zum äußersten entschlossen die Errungenschaften dieser Revolution verteidigt. Der Kampf um Kobanê wurde zu einem Symbol für die gesamte Menschheit. Die Bilder der über 100 Tage andauernden Verteidigung, gingen um die Welt und stehen noch heute für den ungebrochenen Widerstandsgeist und die große Opferbereitschaft der Völker Nordsyriens.

Kobanê wurde zu einem Wendepunkt. Die Kräfte der internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat stellten sich an die Seite der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten und ein Großteil der Weltöffentlichkeit sympathisierte mit dem gerechten Kampf der Befreiungsbewegung. Auch militärisch wendete sich das Blatt.

 

Nach der Befreiung Kobanês folgte ein Sieg auf den anderen. Nacheinander wurden zahlreiche Städte befreit und die Kantonê Cizire und Kobanê durch die Befreiung der Stadt Girespî vereinigt. Mit der erfolgreichen Offensive auf Manbij, westlich des Euphrats, rückte eine Verbindung aller Gebiete von Afrin bis nach Qamislo in greifbare Nähe. Als Erdogan verstand, das seine Verbündeten im Begriff waren zu verlieren, griff er selbst in das Kriegsgeschehen ein und die türkische Armee besetzte in einer völkerrechtswidrigen Aggression weite Teile Nordsyriens. Das Ziel war es Afrin von den anderen Kantonen zu isolieren und damit den Grundstein für einen umfassenderen Angriff zu legen. 

 

Nahezu zeitgleich mit der Befreiung Raqqas, der ehemaligen Hauptstadt der IS-Terroristen, begann die türkische Armee damit erneut Gebiete südlich von Afrin zu besetzen, um die Stadt und das umliegende Gebiet vollständig zu belagern. Nun drohen das AKP-Regime damit Ernst zu machen und einen Großangriff auf Afrin zu beginnen. Jetzt, da sich der Kampf gegen den Islamischen Staat einem Ende nähert, wittert Erdogan seine Chance, ungestört, durch die Kräfte der internationalen Koalition, einen Schlag gegen die Demokratische Nordsyrien Föderation zu führen. Es muss gut verstanden werden, dass die letzten Aggressionen nur, dank der Unterstützung die das Regime in den vergangenen Wochen, vor allem aus Paris und Berlin, erhalten hat, möglich sind. Insbesondere Sigmar Gabriel setzt darauf, die Wogen in der Auseinandersetzung mit der Türkei wieder zu glätten und zu einer Normalisierung der deutsch-türkischen Beziehungen überzugehen. So versprach Gabriel im Gespräch dem türkischen Außenminister Cavusoglu, Fahrzeuge der türkischen Armee auch außerhalb der bisher genehmigten Aufträge, mit einem spezielle Schutz gegen Minen nach zu rüsten, weil Gabriel es „moralisch“ nicht verkraften könnte wenn türkische Soldaten im Kampf gegen den IS deswegen fallen würden. Jedem der die Region auch nur ein wenig kennt, muss sofort auffallen, dass die Türkei derzeit keinen einzigen Meter Front mit dem IS teilt noch auf sonst irgendeine Art und Weise gegen die Dschihadisten kämpft. Gabriel versucht die deutsche Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen und möchte die türkische Armee für weitere Besatzungsangriffe gegen Nordsyrien oder auch den Norden des Iraks aufrüsten. Wenn wir also auf die Straße gehen um gegen die türkischen Angriffe zu protestieren, so vergessen wir nicht, dass auch die deutsche Regierung Blut an ihren Händen hat.

 

„Afrin wird das Finale sein“, so lautet ein Kommentar des Generalkommandanten der Volksverteidigungskräfte YPG Sipan Hemo. In Afrin wird sich nicht nur die Zukunft eines demokratischen Syriens verteidigt, auch das Schicksal des Erdogan Regimes wird sich bei einem Angriff dort entscheiden. Erdogan sieht im Angriff auf Afrin seine letzte Rettung. Mit nationalistischer Kriegspropaganda versucht er über die katastrophale Lage im Land hinwegzutäuschen und das Volk hinter sich zu vereinen. Aber seine Rechnung wird so nicht aufgehen. Auch in der Türkei werden, nicht nur die KurdInnen sondern alle demokratischen Kräfte gegen den Angriff auf die Straße gehen und Widerstand leisten. Schon im Sommer vergangen Jahres hat der Oberkommandierende der Volksverteidigungskräfte HPG im Hinblick auf eine mögliche Operation klargestellt, dass, so wie Kobanê für den IS zu seinem Stalingrad wurde, so wird auch die Türkei in Afrin geschlagen werden.

 

Die Verteidigung Afrins ist eine Angelegenheit, die uns alle etwas angeht. Mit Afrin steht das gesamte Projekt Rojava/Nordsyrien auf dem Spiel. Alle die in diesem Projekt eine Hoffnung nicht nur für die Region, sondern für die gesamte Menschheit sehen, haben daher die Verantwortung gegen jeden Angriff Widerstand zu leisten. So wie wir alle gemeinsam während des Kampfes um Kobanê auf die Straßen gegangenen sind, müssen wir mit dem gleichen Geist heute in Aktion treten. Deshalb rufen wir alle DemokratInnen, SozialistInnen, InternationalistInnen dazu auf gemeinsam mit uns auf die Straße zu gehen.

Achtet auf weitere Ankündigungen.

 

Verteidigt die Revolution Kurdistans!

Solidarität mit den Volks- und Frauenverteidigungseinheiten!

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