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Alle Jahre wieder: KulTürk lädt antisemitischen Historiker nach Bielefeld ein!


Die Hochschulgruppe für türkischstämmige Studenten der Universität Bielefeld (KulTürk) lädt am 08. Juni 2018 den Kunsthistoriker Talha Uğurluel zu ihrem Ramadan-Event in den Rosé Eventsaal
(Turnerstraße 2) ein. Unter dem Titel „Arzın Kapısı Kudüs“ (Das Tor der Welt – Jerusalem) referiert Uğurluel über die Stadt Jerusalem aus religiöser und historischer Perspektive. Der Referent ist bekannt für seine Nähe zur AKP-Regierung und zum türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Uğurluel bietet eine neoosmanische Sichtweise auf die bisherige Geschichte der Türkei und glorifiziert die Vergangenheit des Imperiums in allen bisherigen Schriften. Nachteilige gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen, besonders der arabischen Teile des Osmanischen Reiches, werden nicht beleuchtet bzw. verschwiegen. In seiner Geschichtserzählung gibt es keinen Raum für Verfolgung, Genozid und ethnische sowie religiöse Unterdrückungspolitiken. Diese nehmen aber einen breiten Raum, insbesondere für das 19. Und 20. Jahrhundert, in der kritischen Geschichtsschreibung über das Osmanische Reich ein.


Uğurluel übernimmt die wichtige Rolle eines politischen Intellektuellen, der die „goldene“ Zeit des türkischen Imperiums im Ausland unter jungen Menschen verklärt. Dies geht mit Erdoğans „Großmacht-Ambitionen“ einher, im Nahen Osten wieder zur bestimmenden Macht zu werden. Als ideologischer Akteur dieser Bestrebung agiert Uğurluel strategisch, der Genozide bewusst leugnet und sich antisemitischer Stereotypen bedient. Den Genozid an den Armeniern, der 1915 stattfand und dem 1,5 Millionen Armenier zum Opfer vielen, leugnet er wie folgt: „Heute spricht man immer noch von dem sogenannten Genozid an den Armeniern. Der eigentliche Genozid wurde an den Menschen im Osten des Reichs betrieben. Dort haben sie [gemeint sind die Armenier, Anm. d. Verf.] alles lichterloh verbrannt. Sie haben die Kulturgüter unserer Vorfahren zerstört und verbrannt. Später haben sie die Vorgänge so verdreht, dass die ganze Welt dachte, ein Genozid finde gegen die Armenier statt.“1 Täter werden zu Opfern, Opfer zu Tätern.

Antisemitische Stereotypen werden ebenfalls von Uğurluel bedient. Uğurluel beschreibt die Juden als ein zutiefst zerstrittenes und egoistisches Volk. So charakterisierte er die in Israel lebenden Juden 2013 auf einem ähnlichen Ramadan-Event in Istanbul folgendermaßen: „Immer wenn sie [gemeint sind die Juden, Anm. d. Verf.] zusammenkommen, befehden sie sich. Sie haben eine ungesellige Art. Nicht mal das mächtige römische Imperium konnte die Juden kontrollieren. Der römische Kaiser Hadrian verbannte die Juden 135 n. Chr. in alle vier Himmelsrichtungen. Wenn ihr fragt, wie sie heute miteinander auskommen: Dank des Drucks der Palästinenser, sage ich. Sie stellen Palästina in den Mittelpunkt und befeuern den Konflikt. Glaubt mir, gebe es kein Palästina, sie (die Juden) würden sich selbst bekriegen.“2 Diese äußerst negativ konnotierte Beschreibung der Juden folgt klassischen Zuschreibungen antisemitischer Denkmuster, in denen der Jude für das Unheil der Welt verantwortlich sei, weil sein Wesen zerstörerisch (sie streiten sich ständig mit anderen oder untereinander) und kriegerisch sei. Der Jude sorge für Krieg und Unheil, denn tut er dies nicht, zerstört er sich selbst. Dies ist die Schlussfolgerung, die wir aus Uğurluels Zitat ziehen.


Auf seinem Twitter-Profil finden sich einige Tweets mit verschwörungstheoretischem Inhalt. So finden sich auch Relativierungen des Holocausts. Am 19. Juli 2015 schreibt Uğurluel: „1933 und Hitler waren ein Projekt, um die europäischen Juden in den Nahen Osten zu deportieren. Sogar England sympathisierte mit diesem Projekt.“3 Die systematische und industrielle Vernichtung der Juden wird als Deportationsplan relativiert, mit der auch andere europäische Mächte liebäugelten. Eine solche Relativierung des Holocausts bewerten wir als äußerst geschmacklos und gefährlich. Es war kein Deportationsplan, sondern die „Endlösung“ der „Judenfrage“, die mit einer nicht vergleichbaren Vernichtungspolitik der NSDAP einherging. Wenn Uğurluel ein solche Ideologie unter Studierenden verbreitet und er in Istanbul im gleichen Rahmen solche antisemitischen und genozidleugnerischen Positionen vertrat, ist zu erwarten, dass dies auch im Rosé Eventsaal unter Leitung KulTürks stattfinden wird. Wir finden es in Anbetracht der Tatsache, dass der Eventsaal sich gegenüber der Alten Synagoge in der Turnerstraße befindet, als besonders perfide und fordern die Absage der Veranstaltung durch den Inhaber des Eventsaals.


KulTürk ist bereits in der Vergangenheit mit antisemitischen und genozidleugnerischen Referenten in der Universität negativ aufgefallen. Zuletzt sind führende Mitglieder der Hochschulgruppe gewalttätig gegen kritische Studierende vorgegangen, die eine ähnliche Veranstaltung mit einem antisemitischen Referenten in ihrer Universität nicht dulden wollten. Das Studierendenparlament beschloss nach dieser Gewalttat von KulTürk, die Hochschulgruppe einer Verbotsprüfung durch das Rektorat zu unterziehen. Die Leitung der Universität sah jedoch keine rechtlichen Möglichkeiten, dieser Aufforderung nachzukommen. Das Problem bleibt weiterhin bestehen und betrifft mit dieser Veranstaltung nicht mehr allein die Universität, sondern die Stadt Bielefeld.


Deshalb sagen wir:
Kein Raum für Antisemiten und Genozidleugner in Bielefeld!


Unterzeichner*innen:
YXK - Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V., JXK - autonomer Frauenflügel des Verbandes der Studierenden aus Kurdistan, Liste Solidarität Grenzenlos, Antifa AG, BDAS- Bund der Alevitischen Studierenden, dielinke.sds Bielefeld, Junges Forum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bielefeld, Antira-AG, Café Exil, Die Junge Linke Bielefeld, AG Freie Bildung, Feministisches Referat der Universität Bielefeld, No Study Fees Bielefeld, AG Solidarität International, Cafe International Bielefeld, Asta Uni Bielefeld

Stellungnahme des YXK Bielefeld und der JXK Bielefeld