"WO SIND UNSERE KINDER?"

Der entschlossene Kampf der #Samstagsmütter

 

 

Etliche Menschen sind vergangenen Samstag bei einem brutalen Polizeiangriff auf die 700. Kundgebung der Samstagsmütter in Istanbul festgenommen worden. Die türkische Polizei griff die Demonstrant*innen mit Tränengas und Gummigeschossen an, löste die Demonstration gewaltsam auf und attackiere die Teilnehmenden mit Tritten und Waffen. Dutzende der Aktivist*innen erlitten Schwächeanfälle durch das massenhaft eingesetzte Tränengas und wurden durch die Straßensperrungen mit gestaffelten Wasserwerfern auf engstem Raum zur Eskalation gedrillt.

 

Die generationenlange Geschichte der Samstagsmütter

Der Widerstand der Samstagsmütter ist die am längsten andauernde Aktion zivilen Ungehorsams in der Türkei.
Seit 23 Jahre fordern die Samstagsmütter Aufklärung über ihre verschwundenen Angehörigen. Sie protestieren entschlossen gegen die staatliche Politik des Verschwindenlassens, einer aggressiven Praxis terroristischer und diktatorischer Gewaltherrschaft, wie sie in der Türkei seit Jahrzehnten herrscht.

Das "Verschwindenlassen" ist in der Türkei ein allbekanntes Mittel der systematischen Säuberung politischer Gegner*innen und ethnischer Minderheiten.
Bis zu 17.000 Menschen gelten seit den 1990er Jahren als verschwunden. Sie wurden verschleppt oder kehrten nie von Vernehmungen durch die Militärpolizei oder aus der Gefangennahme zu ihren Familien zurück.
Und auch heute steigt die Zahl der Verschwundenen kontinuierlich an. Größtenteils betrifft diese aggressive Praxis in der Türkei lebende Kurd*innen.

Gegen die Ausweitung dieser brutalen Praxis organisierte sich eine Gruppe von Müttern, die eine Initiative schuf, um gegen diese Repressionen zu demonstrieren.
Die Initiative begann im Mai 1995, als sich zum ersten Mal jeden Samstag die Angehörigen der Verschwunden auf dem Galatasaray-Platz in Istanbul versammelten, um an ihre vermissten Söhne, Töchter, Väter, Mütter und Männer zu erinnern.

Anfangs sind es 15 Frauen, die sich versammeln. Am Samstag darauf sind sie wieder da - und wieder - und wieder.
Der Protest findet langsam Beachtung, erst im Inland, dann im Ausland.
Die Mütter geben nicht auf und von da an
versammeln sie sich jeden Samstag auf den Straßen. Friedlich, entschlossen, mit Fotos ihrer verschwundenen Angehörigen, um auf diese Weise ihre Forderung sichtbar zu machen: ihre Angehörigen zurück bekommen, die Verbrechen aufklären, diese zu stoppen und die Schuldigen vor Gericht zu bringen.

Die Mütter schildern Fälle, in denen ihre Kinder und Männer verschleppt wurden und nach Monaten auf einem Friedhof für namenlose Opfer gefunden wurden. Fälle, in denen ihre Angehörigen das Haus verließen und nie wieder zurückkehrten.

Auch anfänglich versuchte die türkische Regierung, die Initiative dieser leidenden Frauen mit Gewalt zu zerschlagen und zu verbieten. Immer wieder wurden die Frauen von der Polizei angegriffen und festgenommen. Als die Proteste einen unerwartet großen Umfang annahmen, wurden die Reaktionen und Einschüchterungsversuche seitens der türkischen Regierung zunehmend brutaler. Es erfolgten Massenverhaftungen und blutige Auflösungen der Versammlung.

Allein durch ihren starken Willen haben es die Samstagsmütter heute geschafft, ihre Stimmen auch über die Grenzen des Landes zu tragen und konnten durch ihre Unbeugsamkeit internationale Aufmerksamkeit für ihren Widerstand schaffen.

Inzwischen existiert die zweite Generation der sogenannten Samstagsmütter, die sich zum Ziel gemacht hat, den Kampf der Mütter zu übernehmen und einen entschlossenen Widerstand gegen die abscheuliche und faschistische Repressionspolitik der AKP unter Erdogan zu führen. Auch heute sind sie jeden Samstag zu Tausenden auf den Straßen und fordern ihre Verschwundenen zurück - und bis es Gerechtigkeit gibt, wird dieser Kampf von Generation zu Generation weitergegeben.

 

Die Türkei lebt von der Niederschlagung der Opposition

Seit Jahrzehnten herrscht in der Türkei ein blutiger Krieg gegen Minderheiten. Seien es ethnische, politische, sexuelle oder religiöse Minderheiten: als einzigen Ausweg, diese Menschen zum Schweigen zu bringen, sehen die türkischen Behörden systematische Tötung, Assimilierung, Einschüchterung, die Wegschließung Tausender und wie im Falle weiterer tausend Menschen: das Verschwindenlassen.

Der seit 23 andauernde Kampf der Samstagsmütter ist nun lauter denn je !

Wir möchten diesem tapferen Kampf Ausdruck schenken und rufen zur Solidarität auf:
Brecht euer tödliches Schweigen und werdet laut gegen den türkischen Staatsterror !
Öffnet die Augen und gebt den kämpfenden Menschen in der Türkei und weltweit eine Stimme.
Das Leid dieser Menschen ist das Leid von uns allen !

 

Komme was wolle - die Samstagsmütter werden nicht schweigen !
Sie werden ihren Kampf fortsetzen - auch am kommenden Samstag...

 

 

J

XK - Studierende Frauen aus Kurdistan

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