“AM 25. NOVEMBER DEM FEMINIZID EIN ENDE SETZEN!”

 „Am 25. November organisieren sich jährlich weltweit Frauen, um solidarisch ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Dieser Gedenktag geht zurück auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet wurden. Sie hatten sich gegen den tyrannischen Diktator Trujillo organisiert und gelten als Symbol für den Widerstand. Am 9. Januar 2013 wurden auf ähnliche Weise mitten in Europa drei kurdische Frauen (Sakine Cansiz, Leyla Saylemez und Fidan Dogan) aufgrund ihrer politischen Aktivitäten vom türkischen Geheimdienst MIT ermordet. Die Organisierung und der Widerstand von Frauen ist und war schon immer ein Dorn im Auge der Männerherrschaft. Ihre größte Angst stellt die Frau mit einem freien Willen dar.

Jährlich werden ca. 2 Millionen Mädchen und junge Frauen genital verstümmelt. In Indien werden jeden Tag 12 Frauen infolge von Mitgiftstreitigkeiten getötet. In Jordanien gibt es jedes Jahr 25 Todesfälle von Frauen, welche auf sogenannte Ehrenmorde zurück zu führen sind. In den vereinigten Staaten werden jährlich 700.000 Frauen vergewaltigt oder anders sexuell missbraucht, 40% der in Deutschland lebenden Frauen erleben bis zu ihrem 16. Lebensjahr körperliche und sexuelle Gewalt. Weltweit werden ca. 2 Millionen Mädchen im Alter von 5-15 Jahren auf dem kommerziellen Sexmarkt verkauft und zur Prostitution gezwungen. Neben diesen statistischen Zahlen gibt es unzählige Frauen, deren Wille und Gedanken in ihren vier Wänden eingesperrt ist.

Das ist weder ein individuelles Problem, noch eine Familientragödie, wie es allzu oft dargestellt wird. Es ist das Ergebnis der patriarchalen Mentalität. Denn das bestehende System baut seine Macht seit 5000 Jahren auf der „Teile, Unterdrücke, Herrsche“-Politik auf. Gewalt gegen Frauen ist die Folge einer männlichen Vorherrschaft in der Gesellschaft, welche durch das politische System der patriarchalen und kapitalistischen Staaten gestützt wird. Hiermit soll die freie Frau und damit auch die Hinwendung zu einem gerechten politischen Zusammenleben von Menschen unterdrückt werden. Deswegen ist auch jeglicher Akt an Gewalt gegen Frauen politisch und sollte nicht im Sinne eines individualisierten tragischen Schicksal losgelöst von gesellschaftlichen Umständen gedeutet werden.

So ist der Widerstandsgeist der Mirabal-Schwestern und der drei kurdischen Aktivistinnen heute für Frauen weltweit eine große Hoffnung. Mit dieser Hoffnung kämpf(t)en heute tausende junge Frauen in allen Teilen Kurdistans gegen den sog. „Islamischen Staat“ und bauen gemeinsam mit der Gesellschaft ein neues Leben auf. Mit Projekten wie „Jinwar“ wird für eine Mentalitätsrevolution der Boden geebnet. Jinwar heißt für viele Frauen: Kraft. Kraft, aus dem Verlorenen Neues zu schaffen. Kraft, aus dem Erlebten Geschichte zu schreiben. Kraft aus der gemeinsamen Liebe Stärke zu erlangen.

Das Patriarchat hat viele Facetten und Gesichter. Deshalb muss es auf allen Ebenen und überall bekämpft werden. Es betrifft uns alle, nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft, Natur und Menschheit. Deshalb darf keine Frau unorganisiert bleiben, in unseren Vierteln und Städten müssen wir unsere eigenen Strukturen, Kommunen und Räte schaffen, unser Bewusstsein in unseren Strukturen stärken und verbreiten. Wir müssen uns selbst finden und die seit 5000 Jahren verbreiteten Lügen über unsere Geschichte und unsere Rolle in der Gesellschaft aufbrechen.

Durch die Gesellschaftsanalyse Abdullah Öcalans wird ersichtlich, dass das Übel allen Unheils das Patriarchat und damit einhergehend der Staat ist. Aus dem Grund steht die Frauenbefreiung an erster Stelle in seiner Ideologie. Der Weg für eine echte Demokratie kann nur durch die Frauenbefreiung geebnet werden. Deshalb wird jegliche Form des Patriarchats in Rojava, Westkurdistan, bekämpft. Der große Erfolg Rojavas ist auf den intensiven Kampf von Frauen zurückzuführen.

Deshalb stellt besonders der Angriff auf Rojava für uns einen Akt der Gewalt an Frauen dar, da die Revolution Rojavas eine Frauenrevoltion ist. Diese Frauen, die aktiv für eine befreite Gesellschaft kämpfen, sind in Rojava, so wie in der ganzen Welt, die Hoffnung der Revolution geworden. Sie akzeptieren die gegebenen Verhältnisse nicht und erheben sich dagegen. Die größte Angst der patriarchalen Staaten sind wahrhaft freie Frauen, die in der Vorreiterrolle einer befreiten Gesellschaft kämpfen können und sich nicht versklaven lassen.

Man(n) versucht die Errungenschaften, die die Frauen sich aufgebaut haben, um dem patriarchalen System zu entkommen, zu Nichte zu machen. Doch in diesen 5000 Jahren konnte man den Willen der kämpfenden Frauen nicht zerschlagen und wird das jetzt auch nicht können. Solange es dieses patriarchale System gibt, welches Frauen unterdrückt und als Menschen zweiter Klasse sieht, werden wir unsere Kraft bündeln und gemeinsam für eine befreite Gesellschaft gegen das Patriarchat und seine Institutionen kämpfen.

Heute sind Frauen auf allen Ebenen gesellschaftlich, sowie politisch im Norden Syriens in Rätestrukturen organisiert und können ihre Interessen vertreten. Diese Strukturen ermöglichen es, dass sich Menschen –egal welcher Nationalität und Religion zugehörig- unter einem Dach organisieren können.

Die Revolution in Rojava muss in die Welt getragen werden und die gesellschaftlichen Errungenschaften müssen verteidigt werden. In diesem Sinne rufen wir alle Frauen auf: organisieren wir uns mit dem Geist der Schwestern Mirabal und den Gedanken Abdullah Öcalans! Lasst uns unsere Kräfte verbinden und einen gemeinsamen Widerstand führen!

Es ist Zeit unsere Stimme zu erheben, die im Dunkeln gelassene Realität der Frau zu erhellen und ins Bewusstsein zu bringen. Wer Frauen tötet, tötet das Leben! Also tötet das Patriarchat in euren Köpfen!

Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der befreiten Frau!

Jin Jiyan Tolhildan!

„Ohne freie Frau, keine freie Gesellschaft.“ — A. Öcalan

JXK - Studierende Frauen aus Kurdistan

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