Geschichte Kurdistans

Neolithische Revolution und Entstehung von (Hoch-)kulturen in und um Mesopotamien

Nach dem Ende der letzten Eiszeit um 10.000 v.u.Z. (vor unserer Zeitrechnung) entstanden im so genannten „fruchtbaren Halbmond“, der sich von der Westseite des Zagrosgebirge über die Südseite des Osttaurusgebirges bis nach Syien-Palästina erstreckt, die Grundlagen der ersten menschlichen Zivilisationen. Dieser als neolithische Revolution genannter Prozess vollzog sich hier wegen den günstigen geographischen, klimatischen und pflanzlichen Bedingungen. Aber auch das Verschwinden von Großfauna trug dazu bei. Dieser Prozess ist durch das Aufkommen produzierender Wirtschaftsweisen und zwar des Ackerbaus und der Viehzucht gekennzeichnet und damit durch einen der Übergang vom nomadischen Leben als Jäger und Sammler zum sesshaften Leben als Bauer und Viehzüchter.
Zunächst waren die Menschen saisonal sesshaft, kannten anfangs allerdings weder systematische Viehzucht noch Getreideanbau. So entstanden erste feste Orte mit Gebäuden, die von den in der Region lebenden Menschen als religiöse Stätten (Tempel) aber auch zur Nahrungsversorgung (Jagd von Gazellen und anderen Tieren) genutzt wurden. Mit der direkt sich anschließenden Kultivierung der Wildweize, Wildgerste und anderer Pflanzen (tausende Jahre früher wurden schon Pflanzen vereinzelt genutzt) entstanden erste dauerhafte Siedlungsorte. Die ersten fanden sich vor allem im heutigen Nordkurdistan (Südosten der Türkischen Republik, auch Ober- bzw- Nordmesopotamien genannt). Die Sesshaftigkeit wurde mit der Zeit typisch für die Wohn- und Siedlungsweise. Mit der Zeit entwickelten sich aus kleinen Dörfern größere Orte und schließlich kleinere Städte. Damit einhergehend wurden aus den kleinen Dorfgemeinschaften Gemeinschaften mit bis zu vielen hunderten Menschen.
Diese sich entwickelnden Gemeinschaften waren durch kollektive (gemeinsamer Kornspeicher) und matriarchale Strukturen gekennzeichnet. Die Stellung der Frau im frühen Ackerbau als wesentliche Kraft stieg analog der Rolle weiblicher Fruchtbarkeitsgottheiten in der Religion. Es gab einen Übergang zu soliden Bauwerke aus Holz, später aus Stein, bis hin zu Monumentalbauten. Die arbeitsteilige Gesellschaft führte zunächst noch nicht zu herrschenden und beherrschten Klassen. Durch die damit einhergehende gesteigerte Nahrungsproduktion schuf der Mensch die Voraussetzung für ein verstärktes Bevölkerungswachstum.
Durch die Entwicklung von Pflanzenbau und Tierzucht kam der Idee der Fruchtbarkeit in der Vorstellung des Menschen eine noch größere Bedeutung zu. Analog zum Säen-Reifen-Ernten wurde die Abfolge Geburt-Leben-Tod in der Glaubenswelt bedeutend.
Die Religionen der Jungsteinzeit, des nomadischen oder frühbäuerlichen Neolithikums orientierten sich an den jahreszeitlichen Rhythmen der Natur. Die Menschen waren auf eine Fokussierung auf die Erde als Ernährerin fokussiert, begannen von kultivierten Pflanzen zu leben und erfuhren dabei den Himmel als die Ordnung gebende Kraft. Die lebensweltlichen Erfahrungen aus dem Umgang mit der Erde und ihren Vegetationszyklen ließen religiöse Vorstellungen entstehen, die einem ganz anderen Muster folgten, als die modernen monotheistischen. Sie waren auf eine von schöpferischen Kräften durchwirkte Natur voller Geistwesen und Magie bezogen und stellten noch nicht den Menschen in den Mittelpunkt. Die schriftlosen, mythischen Religionen kannten keinen allmächtigen Schöpfergott und kein endzeitliches Gericht, das den Einzelnen zur Rechenschaft zog.

10.000 v.u.Z.

Aus dieser Zeit stammte der bisher älteste nachgewiesene menschliche feste Ort in der Provinz Riha (türkisch: Urfa, Nordkurdistan) ab: Göbekli Tepe. Hier – nicht sehr weit vom Euphrat entfernt – wurden religiös genutzte Tempelanlagen entdeckt, was auf erste frühere Glaubenstrukturen zurück schließen lässt. Weiterhin befinden sich hier die Knochen von unzähligen Gazellen, woraus eine weitgehende Jagdkultur abzuleiten ist.

Ab 9.500 v.u.Z.: Fast um die gleiche Zeit entstand die bisher älteste gefundene menschliche Siedlung im Norden von Batman (Nordkurdistan): Hallan Çemi. In dem an einem Nebenfluss des Tigris liegenden Ort wurden Spuren einer Landwirtschaft und Wohnhäuser nachgewiesen.
In dieser Zeit bestanden große Siedlungen aus Rundhäusern (Trockenmauerwerk). Manche dieser Siedlungen liegen in der untersten Schicht späterer Tells (historische Siedlungsorte). Die Kunst dieser Zeit beschränkte sich hauptsächlich auf Idole, kleine Steinskulpturen, die meist Frauen, seltener Männer oder Tiere darstellten. Getreideanbau war zu dieser Zeit neu bekannt, nicht aber die Viehzucht, es wurden weiterhin Gazellen gejagt.

8500 bis 7000 v.u.Z.
Die Häuser dieser Zeit waren rechteckig oder quadratisch. In dieser Zeit fand eine Ausbreitung nach Westen statt, mit Floss und Einbaum auch über Wasser (Zypern). Die Domestikation von Tieren wie Schaf, Ziege und Hund begann. Die meist weiblichen Idole waren aus Stein oder Ton, die Gesichter waren kaum angedeutet, Geschlechtsteile dafür umso deutlicher zu erkennen. Vorherrschend in der Werkzeugherstellung war nun die geschliffene Steinindustrie. Erste ungebrannte Keramik ist bekannt.

Ab 8. Jt. v.u.Z.
Die im Fruchtbaren Halbmond entwickelte Ackerbaukultur weitete sich in verschiedene Richtungen durch Migration der Bauern mit den von ihnen domestizierten Pflanzen und Tieren aus der Levante sowie dem Wissen um deren Pflege, Aufzucht und Vermehrung im Gepäck aus. So zeigen Vergleiche der mitochondrialen DNA (mtDNA), dass die frühen indischen Bauern näher mit den Bauern der Levante verwandt waren als mit den Jägern und Sammlern in ihrer Nachbarschaft. Von hier aus ist anzunehmen, dass diese Kultur sich bis nach China ausweitete. Ähnliches gilt für Europa, welches die Ackerbauern vor etwa 9.000 Jahren über die noch existierende Landbrücke am Bosporus kultivierten. Von Südosteuropa verbreiteten sie sich zunächst entlang der Mittelmeerküste sowie entlang der großen Flussläufe nach Ost- und Mitteleuropa. Über die Levante erreicht diese Kultur am frühesten jedoch Ägypten, das relativ nahe liegt. In den verschiedenen Regionen werden lokal verbreitete Pflanzen zu den bekannten hinzu domestiziert.
Eine andere bis vor kurzem sehr verbreitete These besagt, dass weltweit in mindestens drei Regionen (Mittlerer Osten, Chine und Amerika) unabhängig voneinander die Landwirtschaft sich entwickelt. Zumindest für Amerika ist diese These noch stark vertreten.

7500 v.u.Z.
Anfangs wurden Schafe und Ziegen ausschließlich als Fleisch- und Felllieferanten gehalten. Aber ab 7500 lässt sich die Nutzung des Sekundärproduktes Milch, später auch Wolle archäologisch belegen.

Ab 6500 v.u.Z.
Die Gemeinschaft bestattet ihre Toten nun außerhalb der Siedlung. Neben dem Getreideanbau waren auch Nutztiere bekannt, die Jagd war nicht mehr der Hauptfleischlieferant. Die Keramikherstellung verbreitete sich.

6000 v.u.Z.
Das älteste festgestellte Bewässerungssystem wird in der Gegend um Halabja (heutiges Süd-Kurdistan) gebaut.

6 Jahrtausend v.u.Z.
Der Pflug und Sichel werden in der Landwirtschaft systematisch eingesetzt, was die Produktivität weiter steigert.

Ab 5500 v.u.Z.
Beginnende Metallverarbeitung von Kupfer (elementar vorkommendes Metall), in diesem Zusammenhang bildeten sich gesellschaftliche Oberschichten, Fernhandel und stärker befestigte Siedlungen.

Ab 3500 v.u.Z.
Die Entwicklung des Metalls Bronze ist eine wichtige Vorbedingung für die Hochkulturen. Bronze ist eine Legierung und weitaus härter als Kupfer. Sowohl Kupfer als auch Zinn werden im Zagros-Gebirge und in Palästina nachweislich ab 3300 v.u.Z. abgebaut. Somit beginnt die so genannte Bronzezeit, die bis zur Ausbeutung des Metalls Eisen andauert. Der Mittlere Osten gilt als Ausgangspunkt der Bronzetechnologie, von hier aus wurde das neue Material und das notwendige Wissen in alle Richtungen exportiert.
Der Zugang und die Beherrschung der Ressourcen (Metalle, Metallurgen, Kommunikations- und Handelswege) führen zu entscheidenden sozialen Differenzierungen und zur Herausbildung einer starken Oberschicht. Es ist mit der Bronze erstmals möglich, Reichtum anzuhäufen, welcher auch leicht transportierbar war. Bronzebarren wurden als Zahlungsmittel eingesetzt. Die Entstehung von stark befestigten Siedlungen und die Erfindung des Schwertes werden oftmals als Hinweis auf eine Zunahme kriegerischer bzw. räuberischer Auseinandersetzungen gedeutet.
Die ungleiche Verteilung der Metallvorkommen, insbesondere des zur Herstellung benötigten sehr seltenen Zinns, führte zu einem „globalen“ Handelsnetz, welches neben den Waren auch kulturelle Ideen verbreitete.

4. Jt. v.u.Z
Die Menschen drängen durch die Entwicklung der Metallurgie, festere Werkzeuge, bessere Bewässerungstechniken, somit erhöhte Nahrungsmittelproduktion und wachsende Bevölkerung und stärker organisierte Gesellschaften immer mehr nach Mittel- und Untermesopotamien vor. Sie bewirtschaften die bis dahin sehr sumpfigen Ebenen Mesopotamiens, wo sie noch effektiver Nahrung produzieren und größere Siedlungen bauen.

3500 bis 3000 v.u.Z.
Die Hochkultur der Sumerer, die erste der Menschheitsgeschichte, entwickelt sich in Unter-Mesopotamien (heutiges Südirak) um die Stadt Uruk heraus.
Die Sumerer stammen vermutlich aus dem Zagros-Gebirge ab. Da die sumerische Sprache jedoch mit keiner anderen bekannten Sprache nachweisbar verwandt, gehen die Diskussionen hierüber weiter. Die Sumerer errichteten erste Monumentalbauten. So stand im Zentrum jeder sumerischen Stadt das Zikkurat, ein Tempel der Priester, welche die Stadtstaaten lenkten. Der bekannteste unter ihnen war der Innana-Tempel in Uruk. Kennzeichnend für die Sumerer war auch charakteristische Keramik. Ab 3200 v.u.Z. benutzen die Sumerer die erste Schrift, die Keilschrift, der Menschheit. Sie gilt als Vorläufer für viele Schriften.
Der Beitrag der Sumerer in der Landwirtschaft lag in der Verfeinerung und Intensivierung der Bewässerung. Die fortschrittliche Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Aufgrund der Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück.
Die sumerische Religion ist eine der ältesten der bekannten Religionen und gilt als wesentliches Vorbild für spätere Religionen in Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Neben den Haupt- und Urgöttern verehrten die Sumerer jeweils ihre Stadtgötter, die mit einander konkurrierten und in ihrer Hegemonie einander ablösten. Zusammen bildeten sie bereits ein gemeinsames Pantheon. Die Göttinnen waren gegenüber den Göttern noch mindestens gleichgestellt, was sich aus der vor kurzem abgelösten und matriarchalisch geprägten neolithischen Gesellschaft erklären lässt.
Inanna bzw. Ischtar war die bekannteste Göttin Mesopotamiens. Sie war die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Der Planet Inanna’s war die Venus und ihre heilige Stadt Uruk. Inanna wurde sowohl als Morgen- als auch als Abendstern verehrt. Als Morgenstern wurde sie mit der Sonne in Verbindung gebracht, weshalb ihr in dieser Rolle die männlichen Attribute zugeschrieben wurden; als Abendstern entsprechend wegen der Gleichsetzung mit dem Mond die weiblichen Eigenschaften. Inanna konnte so in drei Geschlechtern auftreten: Männlich, weiblich und Zwitter. Der ihr geweihte Tempel (Zikkurat) hieß Eanna. Sie galt als beliebteste Göttin der Sumerer. Ischtar war als Gleichsetzung der sumerischen Inanna die wichtigste babylonische Göttin; hier ist sie auch die Göttin des Krieges. Auch die hurritische Göttin Schauschka wird oft mit Ischtar gleichgesetzt. Auch in Assyrien war Ischtar eine der wichtigsten Göttinnen. Inanna bzw. Ischtar und alle anderen Hauptgötter sind in ihrer Grundstruktur in allen entwickelteren Kulturen im Mittleren Osten und im Mittelmeerraum unter anderen Namen vorzufinden, bis die monotheistischen Religionen bestimmend werden.

Die Sumerer bildeten zunächst einen Bund aus mehreren größeren autonomen Städten in Untermesopotamien.

3. Jt. v.u.Z.
Im Zagros-Gebirge, also in direkter Nachbarschaft zu den Sumerern, organisierten sich die dort lebenden Menschen in Stämmen und Föderationen. Dieses von Gutäer und Lullubäern – der Lebensstil ist teilweise nomadisch – bewohnte Gebiet wird in der Wissenschaft als Gutium (Land der Gutäer) bezeichnet, denn sie standen nicht unter der Kontrolle der jeweiligen mesopotamischen Herrscher. Sowohl im 3. als auch im 2. Jt. konnte dieses Gebiet praktisch nie richtig von den mesopotamischen Königen Kontrolle gebracht werden.
Parallel dazu lebten in den nördlichen Gebirgsrandzonen Mesopotamien, um das Osttaurus-Gebirge die hurritischen Stämme. Die Hurriter sind seit Mitte des 3. Jahrtausends v.u.Z. nachgewiesen. Sie geraten bald unter den Einfluss der sumerisch-akkadischen Hochkultur und spielten ihrerseits eine wichtige Rolle bei der Vermittlung dieser Kultur nach Syrien und Mittelanatolien, z.B. zu den Hethitern.

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Thesen zur Abstammung der KurdInnen

Mit dem Beginn des 3. Jahrtausends v.u.Z. formierten sich im mittleren und nördlichen Zagros-Gebirge die Stämme der Guti/Gutäer, Lulubi/Lullubäer u.a. und im Osttaurus-Gebirge die Stämme der Hurriter. Diese standen sich der Formierung, Eigenschaften und Abstammung nach sehr nahe und lebten in den Hochgebirgen, aber auch an den Hängen nach Mesopotamien hin, also im Fruchtbaren Halbmond. Diese sind diejenigen Völker und Stämme, aus denen (höchstwahrscheinlich) in den nachfolgenden Jahrhunderten die Mitanni/Mitannäer, Kassiten, Nairi, Urartäer, Meder abstammten, die wiederum mit den heutigen KurdInnen in Verbindung gebracht werden können. Denn diese Völker und Stämme lebten überwiegend im heutigen Kurdistan, viele heutige kurdische Lieder, Sagen und Erzählungen beziehen sich auf diese Letztgenannten und bei den KurdInnen ist die Stammesstruktur bzw. die neolithische Gesellschaftsformation nach wie vor stark ausgeprägt.
Die Tatsache, dass die heutige kurdische Sprache (gehört zu den iranischen Sprachen) mit den Sprachen der Gutäer, Hurriter, Urartäer nicht direkt verwandt ist (mit der Medischen aber schon), sollte kein Gegenargument seien. In vielen Fällen ist es so, dass alte Sprachstrukturen von neuen abgelöst wurden oder die Sprache einer relativ kleinen Gruppe Einwanderer übernommen wurde. Darüber hinaus stehen die Sprachen der Gutäer, Hurriter und Urartäer noch am ehesten dem Kurdischen nahe.
Es ist noch mit besonderem Vermerk zu erwähnen, dass im Laufe der Geschichte viele andere Völker und Stämme durch Kurdistan gezogen sind, die ihre Spuren hinterlassen haben und die auch die heutige Kultur in Kurdistan beeinflussen. Vor allem bis zum ersten Weltkrieg (bis sie nämlich vertrieben wurden) lebten auch viele verschiedene Kulturen in Kurdistan. Daher können wir die KurdInnen auch als die Erben vieler im Laufe der Geschichte vorgekommenen Kulturen verstehen.
Kurzgefasst können wir festhalten, dass der Ursprung der heutigen KurdInnen nicht auf ein einziges bestimmtes Volk oder Stamm zurückzuführen ist. Vielmehr ist eine Abstammung von den autochtonen (indigenen) Völkern des Zagros- und Osttaurusgebirgen zutreffend, allerdings mit vielen anderen Einflüssen.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde oft auch die These vertreten, dass die KurdInnen vor etwa 3000 Jahren aus Osteuropa (Südrußland) bzw. Skandinavien ins heutige Kurdistan eingewandert seien. Doch die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 10-20 Jahren über die Entwicklung menschlicher Gesellschaften widersprechen dieser These immer mehr. Inzwischen sind die meisten Verfechter daher hiervon abgerückt. Eine andere eher früher vertretene These ist die, dass die KurdInnen von den Skythen, die im 7. Jh. v.u.Z. aus dem Norden kommend in Medien/Kurdistan auftauchten, abstammen. Die meisten Historiker und Archäologen bezweifeln, dass größere Teile der Skythen in dem späteren kurdischen Volk aufgegangen sind, denn die Heimat der Skythen war Kasachstan, Südrussland und die Ukraine.

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Ab 2800 v.u.Z.
Rivalisierende sumerische Stadtkönige bemühten sich, andere Städte unter ihre Kontrolle zu bringen. Um 2750 v.u.Z. schaffte es vermutlich als erster Mes-ki-agga-scher aus Kisch dies zu vollbringen, erlangte die Herrschaft über alle sumerische Städte und weitet den Machtbereich auf die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge aus.

28. Jh. v.u.Z.
Das Gilgamesch-Epos wird auf die Mitte des dritten Jahrtausends datiert. Sie stand für die Erstarkung der Könige, die die Priester in ihrem Machteinfluss erheblich einschränken. Der Hauptfigur, der König Gilgamesch, bezwang in Auseinandersetzungen die Priesterklasse, bindet andere sumerische Stadtstaaten an sich, unterwarf mehr denn je die Natur, konzentrierte die ganze Macht auf sich und erklärte sich zum Gottkönig. Die Frau, repräsentiert durch die starken Priesterinnen, verliert in der Gesellschaft an spürbaren Einfluss. Das Epos beschreibt auch die Beziehungen bzw. die wachsende Kluft zwischen der Ebene von Mesopotamien und der gebirgigen Zagros-Region.
Dieses Epos ist das älteste literarische Zeugnis der Menschheit. Niedergeschrieben wurde es von 1900 bis 1200 v.u.Z. von den Babyloniern und anderen Völkern.

24. Jh. v.u.Z.
Die Akkader, welche nördlich von Sumer in Mittelmesopotamien lebten, eroberten das Land der Sumerer um 2371 v.u.Z. Die Akkader sprechen eine semitische Sprache, was an den vielen aus dem Süden (z.B. arabische Halbinsel) hinzu gewanderten Menschen semitischer Abstammung liegt. Die Akkader errichteten einen bis dahin nicht gekannten zentral organisierten Staat. Das politische Zentrum Mesopotamien verschob sich damit von Süd- nach Mittelmesopotamien. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden Menschen systematisch zu Sklaven gemacht.

2191 v.u.Z.
Die aus dem Zagros-Gebirge stammenden Gutäer erhoben sich in einem Bündnis mit anderen Zagros-Völkern und Stämmen (wie Lulubi/Lullubäer) fortwährend gegen die Angriffe der Akkader, besiegten sie schließlich und bildeten eine ca. einhundert Jahre andauernde Vorherrschaft im heutigen Mittel- und Süd-Mesopotamien. Viel Wissen über diese Herrschaftszeit der Gutäer herrscht nicht. Während auf einer Seite die Gutäer in den wenigen historischen Quellen plünderisch bezeichnet werden, sind sie auf der anderen Seite sehr anpassungsfähig.

2116 v.u.Z.
Durch eine gemeinsame militärische Aktion der Sumerer und Akkader werden die Gutäer wieder in die Berge zurückgetrieben. Teilweise wurden sie aber in die Gesellschaft des Tieflandes eingegliedert, wie etwa in Assur. Später werden die Gutäer von den Kassiten im Zagros verdrängt. Doch das neue Staatswesen der Akkader erreicht nicht den früheren Einfluss.

2113-2004 v.u.Z.
Die Sumerer gründen zum letzten Mal einen Staat im südlichen Mesopotamien, der 2005 vom Stamm der aus dem Südzagros stammenden Elamiten (Kerngebiet reicht bis ins fruchtbare Husistan) eingenommen wird. Diese bleiben bis etwa 1980 hier.

2000 v.u.Z.
Die Sumerer erwähnen in überlieferten Tafeln die „Karda“ und die „Qurti“, die aus dem Zagros-Gebirge stammen. In der sumerischen, wie auch später in der akkadischen Sprache, wurde der Begriff KUR zuerst für Berg und Bergland verwendet; KUR-KUR stand für Gebirge.
Somit wurde zum ersten Mal in der Geschichte ein der Bezeichnung „Kurde“ oder „Kurdistan“ nahe stehendes Wort in Zeugnissen genannt.

1894 v.u.Z.
Die semitischen Babylonier, direkte Nachfolger der Akkader und vom semitischen Stamm der Amoriter, wurden zum alleinigen Herrscher über Süd- und Mittel-Mesopotamien. Dazu gründeten sie nahe dem heutigen Bagdad die Stadt Babylon an der engsten Stelle zwischen Euphrat und Tigris, womit sie die Handelswege besser kontrollieren konnten. Dieser Staat erlebte unter Hammurabi (1792-1750) seinen Höhepunkt. Hammurabi erwies sich als geschickter Außenpolitiker, legte Bewässerungsanlagen an und ließ großartige Bauten errichten, organisierte das Land durch eine straffe Verwaltung und verfasste eine einheitliche Rechtsordnung, den Codex Hammurabi. Dieses Gesetzeswerk, mit 282 Paragraphen, hielt die Rechte aller Klassen fest. Den Stadtgott von Babylon, Marduk, erhob Hammurabi zum Hauptgott des Landes. Damit wurden die weiblichen Götter endgültig in Mesopotamien und im Mittleren Osten verdrängt. Die patriarchalen Strukturen setzten sich immer mehr durch. In kurzer Zeit wurde Babylonien zum dominierenden Reich in Mesopotamien (Altbabylonisches Reich). Im 17. Jh. v.u.Z. schwächte sich das Reich dann langsam ab.

Ab 1800 v.u.Z.
Die Assyrer – neben den Babylonier die Nachfahren der Akkader – gründeten ihren ersten Staat, den Altassyrischen Staat, aber weiter im nördlichen Mittelmesopotamien um die heutige Stadt Mossul. Wenn sie auch im 18. Jh. zeitweilig regional erstarkten, blieben sie lange unter dem Einfluss Babylons. Die Assyrer zeichneten sich durch kriegerische Aktivität aus, vollbrachten aber auch hohe kulturelle Leistungen. Die Kultur Assyriens war wie die der Akkader sumerisch beeinflusst, jedoch lassen sich auch Einflüsse der Hurriter, Hethiter sowie der Zagros-Völkerschaften feststellen. Ihr Hauptgott war Assur, der Schutzgott der gleichnamigen Hauptstadt. Weiterhin betreiben die Assyrer recht früh verstärkt Handel bis nach Anatolien. Hier errichten sie erste Handelsniederlassungen, um vor allem Metalle einzuhandeln.

19./18. Jh. v.u.Z.
Die Hurriter entwickelten besonders im 19. Jh. v.u.Z. ihre Gesellschaft so sehr, dass sie Ende des 18. Jh. v.u.Z. sich aus ihrem Kernland (etwa heutige Region zwischen Amed (Diyarbakir) und Wan-See) nach Westen und Norden, andere Gegenden Nordmesopotamiens und Syrien auszubreiten begannen. Hurritische Heere unternahmen Feldzüge nach Palästina und sogar nach Ägypten, wo sie bald sehr gefürchtet waren. Im Kampf waren sie ihren Gegnern durch die pferdebespannten Streitwagen meist überlegen. Im Hulatal im Norden Israels gründeten sie im 18. Jh. v.u.Z. die churritische Stadt Hazor, welche die größte Stadt in Palästina vom 15. bis 13. Jh. v.u.Z. war.
Das Hurritische hatte keine Gemeinsamkeit mit der semitischen Sprache. Nur zum verwandten Urartäischen (sie traten später auf) lassen sich engere Beziehungen feststellen.

19. Jh. v.u.Z.
Archäologisch können die Hethiter in Anatolien erst mit Funden ins 19. Jh. v.u.Z. nachgewiesen werden. Vermutlich sind die Hethiter zwei bis drei Jahrhunderte früher nach und nach aus östlicher Richtung ins östliche Mittelanatolien eingewandert und haben sich mit dem autochtonen Volk der Hatti vermischt. Die Hethiter bildeten die neue Führungsschicht. Die Hethiter übernahmen von den Hattiern die Bezeichnung Hatti für das Land. Unter weiteren nomadischen Einflüssen kristallisierte sich Mitte des 2. Jahrtausends v.u.Z. das Großreich der Hethiter mit der Hauptstadt Hattuscha/Bogazköy (berühmt durch die Entdeckung von 30.000 Texttafelns im Jahre 1915) heraus. Zu diesem Reich zählten weite Teile Anatoliens und zeitweise auch die nördliche Hälfte des heutigen Syrien. Die Herrscher Ägyptens und Babyloniens betrachteten den hethitischen Großkönig als gleichrangigen Partner, mit dem sie sowohl diplomatische Kontakte und Handelsbeziehungen unterhielten als auch Vormachtkämpfe führten. Die Beziehung zu den Hurri-Mitanni spielte ein besondere Rolle, denn von ihnen kamen viele der zivilisatorischen Errungenschaften aus Mesopotamien. Von besonderem Interesse in der Forschung der letzten Jahre ist die mögliche Beziehung, bzw. der Einfluss der Hethischen Macht und Kultur auf die Trojas, die heute als wahrscheinlich gilt, sowie die Kontakte mit den Mykenischen Stadtstaaten insbesondere an der kleinasiatischen Westküste.
Das Reich der Hethiter war ein relativ kompliziertes Gebilde mit deutlichen Anklängen an ein feudales System. An der Spitze stand der Großkönig, der oberster Priester, Richter und Feldherr war und über eine Anzahl nachgeordneter Könige herrschte.

Um 1600 v.u.Z.
Im hurritischen Herrschaftsgebiet bzw. Nordmesopotamien entsteht das Reich von Mitanni, dessen Zentrum zwischen dem oberen Euphrat und oberen Tigris um die heutigen Städte Diyarbakir (Amed), Urfa (Riha) und Bitlis liegt. Dessen Hauptstadt Wašukkanni wird beim Tell Fecheriye in heutigen Nordsyrien an der Grenze zur Türkei vermutet, wo seit 2006 ausgegraben wird. Die Könige des Mitannireiches trugen größtenteils nicht-hurritische Thronnamen, für die teilweise eine indo-iranische Etymologie nachgewiesen werden kann. Die in den Keilschrifturkunden erhaltenen wenigen indoiranischen Lehnwörter (Götter- und Personennamen, hippologische Fachausdrücke) lassen vielleicht auf eine kleine indoarische Oberschicht schließen, die zur Zeit der größten Machtentfaltung Mitannis aber schon hurrisiert war.

Ab 1600 v.u.Z.
Um die Jahrhundertwende 1600 verändert sich das Gleichgewicht im Mittleren Osten erheblich und es wurde ein neues für etwa 400 Jahre geltendes etabliert. Dies geschah vor allem durch die Eroberung Babylons durch die Hethiter im Jahre 1595 v.u.Z. (andere Quellen sprechen von 1531). Diese zogen aber sich schnell zurück. Anschließend drangen die aus dem Zagros-Gebirge stammenden Kassiten vor, eroberten Mittel und Süd-Mesopotamien (Babylonien) und errichteten eine Herrschaft von etwa 400-450 Jahren mit einer großen aufblühenden Kultur, die sich aus einer Mischung der kassitischen und babylonischen zusammensetzte, wobei letztere überwiegte. Einige hundert kassitische Wörter finden Eingang in die akkadische Sprache. Mehr als zehn Prozent davon sind Götternamen. Der Grund, warum so aber trotzdem wenig von der kassitischen Sprache überdauerte, lag darin, dass die Verwaltungssprache der Zeit Akkadisch war.
Nördlich des kassitischen Babylons existierte der neue Staat Mitanni. Mitanni stand jedoch immer unter großen Druck des sehr erstarkten nordwestlichen Hethiter Staates. Um 1335 v.u.Z. wurde Mitanni von den Hethitern abhängig und zu einem Vasallenstaat. Die Assyrer waren in der ersten Zeit dieses Gleichgewichts schwach und standen unter dem Einfluss der Kassiter, Hethiter und Mitanni. Ab Mitte des 14. Jh.s agierten sie unabhängig und drängten das kassitische Babylon immer mehr zurück.
Ein wichtiger Akteur im Mittleren Osten war zu jener Zeit das erstarkte Ägyptische Reich, das zum ersten Mal seit der Entstehung der Hochkultur Vorstöße bis nach Syrien/Libanon unternahm, wo es auf die Hethiter stieß. Beide Reiche schlossen nach vielen Kämpfen im Anschluss an die Schlacht von Kadesch im Jahre 1274 v.u.Z. mit einem Vertrag Frieden (der älteste bekannte Friedensvertrag der Menschen).

Um 1200 v.u.Z.
Das jahrhunderte lange währende Gleichgewicht wurde aus verschiedenen Gründen zerschlagen. Ein entscheidender Grund dürfte der Angriff der aus dem Mittelmeerraum kommenden Seevölker sein. Ihre Herkunft ist nach wie vor heftig diskutiert. Vermutlich stammten sie aus dem heutigen Griechenland und Italien ab und beabsichtigten, sich im reichen Mittleren Osten (vor allem Ägypten und Levante) niederzulassen. Bevölkerungsexplosion und Erstarkung der Strukturen könnten zwei wichtige Gründe für diese Völkerwanderung sein. Zur See operierende Völker schlossen sich höchstwahrscheinlich mit zu Lande agierenden Völkern zu einer Koalition zusammen und zerstörten im östlichen Mittelmeergebiet viele Städte und Reiche. Als Folge brachen erst der gesamte Handel am Mittelmeer und dann die Staaten der Ägypter, Hethiter und Kassiten zusammen. Ein kleinerer Faktor war das Erstarken der Elamiter aus dem mittelsüdlichen Zagros-Gebirge bzw. aus der fruchtbaren Ebene von Husistan. Die Elamiter besiegen 1155 v.u.Z. die Kassiten in Mesopotamien.