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Gegen die Kampagne der Fethullah Gülen-Bewegung gegen kritische Berichterstattung

Grundrecht auf Pressefreiheit und kritische Öffentlichkeit verteidigen

In der aktuellen Ausgabe des Magazins „Spiegel“ vom 6. August (Nr.32) widmet sich Maximilian Popp einer scheinbar religiös motivierten Bewegung, die in der deutschen Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben ist. Die Fethullah Gülen-Bewegung beruft sich auf den muslimischen Prediger Fethullah Gülen, der bereits in den 70er Jahren antikommunistische und antiwestliche Hetze betrieb, seine AnhängerInnen dazu aufforderte die staatlichen Strukturen der Türkei zu unterwandern, um eine neo-osmanisches Reich zu schaffen, und sich nach außen ein liberales Gesicht zu geben, während im Inneren der Bewegung autoritäre Machtstrukturen herrschen. Die Bewegung ist weltweit auf unterschiedlichen Feldern aktiv; sie betreibt Studierendenwohnheime und bietet Nachhilfekurse an, baut Moscheen, lenkt Medien-Imperien oder mischt in der türkischen Politik ganz vorne mit.
Kritische Berichterstattung über die Bewegung wird rigoros verfolgt und diskreditiert. In der Türkei kam es zu Festnahmen und Anklagen gegen kritische JournalistInnen, vom Gülen-nahen Justizapparat angeklagt. Auch in Deutschland übt die Gülen-Bewegung massiven Druck auf JournalistInnen und Medien aus. Nicht nur der Spiegel und sein Redakteur werden nun in das Fadenkreuz der Gülen-AnhängerInnen geraten sein. Im Juni wurde eine Reportage des WDR-Fernsehens über Fethullah Gülen und seine Bewegung nach Druck auf den Sender nicht ausgestrahlt. Die VeranstalterInnen von Podiumsdiskussionen zum Thema „Fethullah Gülen-Bewegung“, die seit einiger Zeit von der YXK organisiert werden, werden immer wieder mit dem Druck konfrontiert, mit dem die Gülen-AnhängerInnen versuchen solche Diskussionen zu verhindern. Vor allem die Universitäten, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen, werden angegangen, sodass diese davor zurückschrecken Orte für kritische Diskurse und Öffentlichkeit zu bleiben.
Die Gülen-Bewegung gibt sich weltoffen und tolerant. Sie lädt zum interkulturellen und -religiösen Dialog. Damit kann sie regelmäßig bei deutschen EntscheidungsträgerInnen und PolitikerInnen unhinterfragt punkten. Doch verbirgt sich hinter dieser liberalen Haltung bloßes Kalkül. An den besagten Podiumsdiskussionen haben VertreterInnen der Bewegung nicht teilnehmen wollen, auch im Publikum nutzte niemand die Gelegenheit für Gülens Positionen zu diskutieren. Stattdessen zeigt sich regelmäßig das autoritäre und menschenfeindliche Bild, nicht zuletzt in der Unterbindung jeglicher kritischer Stimmen. AussteigerInnen berichten immer wieder von den autoritären Strukturen innerhalb der Bewegung – etwa in ihren Wohnheimen. Gülen selbst riet bereits während der Anfänge der Bewegung, sich öffentlich zu verstellen, und rief im vergangenen Jahr zum Massenmord an KurdInnen auf.
Wir lehnen die türkisch-nationalistische Menschenverachtung, auf die Fethullah Gülen seine Bewegung aufgebaut hat, ab. Des Weiteren kritisieren wir die Instrumentalisierung des Islam und das Spiel mit den religiösen Gefühlen der Menschen, um sich selbst Macht und materiellen Reichtum anzueignen. Auch müssen wir JournalistInnen, PolitikerInnen und vermeintliche WissenschaftlerInnen kritisieren, die der Gülen-Bewegung absolut unkritisch das Wort reden.
Wir fordern die Medien-Machenden in Deutschland und der Türkei dazu auf, sich nicht von der Hetze der Gülen-AnhängerInnen einschüchtern zu lassen, sondern am Grundrecht auf Pressefreiheit und der demokratischen Notwendigkeit einer kritischen Öffentlichkeit festzuhalten.
Wir solidarisieren uns mit denjenigen, die angefeindet und unter Druck gesetzt werden, da sie nicht wegsehen wollten.

Wir schlagen daher auch vor, folgende Email an an die Zeitschrift „Spiegel“ zu verschicken:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

in Ihrer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Spiegel“ wird über den türkischen Prediger berichtet und in diesem Artikel in einer interessanten Art und Weise auf seine Machenschaften eingegangen.

In der Tat verbreitet sich die Sekte in sehr breiten Volksschichten und das auch in Deutschland. Das sie nicht nur den interreligiösen Dialog suchen, sondern diesen, aber auch den Islam für andere Zwecke instrumentalisieren wird einem klar, wenn man die Oberfläche etwas aufkratzt und hinter die Fassade schaut. Das gelingt auch dem Autor in seinem Beitrag sehr gut.

Ich freue mich sehr darüber, dass nicht auch Sie wie die öffentlichen Sender vor dieser Sekte einen Rückzieher gemacht haben und hoffen auch in Zukunft noch weitere Berichte in Ihrer Zeitschrift über den politisch missbrauchten Islam lesen zu können.

Mit freundlichen Grüßen“

Die Email kann auf folgender Adresse verschickt werden: http://www.spiegel.de/extra/a-628516.html

Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK e.V., 10. August 2012

http://www.spiegel.de/international/germany/guelen-movement-accused-of-being-a-sect-a-848763.html

 

 

 

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