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Am Dienstag dem 6. November fand in München unter dem Motto Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker – Sehid namirin eine Gedenkveranstaltung für die InternationalistInnen Hüseyin Celebi und Andrea Wolf statt. Das Programm begann mit einem Vortrag zu Andrea Wolf vom FreundInnenkreis Andrea Wolf. Anschließend gab es eine Kurzfilmvorführung zur internationalen Menschenrechtsdelegation 2011 nach Wan. Der Kurzfilm zeigte vor Ort geführte Reportage zu den Massengräbern, in denen auch Andrea Wolf begraben ist. Michael Backmund, der ebenfalls an der Delegation teilgenommen hatte, betonte in seinem Vortrag, dass die Türkei sich endlich ihrer Geschichte und ihren Greueltaten stellen müsse, die Massengräber und Massaker aufgeklärt und die Verantwortlichen verurteilt werden müssen. Außerdem wurde die Willkür der türkischen Behörden gegenüber der Delegation verurteilt. Anschließend hielt die SDAJ einen Vortrag zu Hüseyin Celebi und ließ ebenfalls einen Kurzfilm vorführen.

 

In einer Rede zur aktuellen politischen Lage wurde betont, dass der Kampf im Nahen Osten, an dem Deutschland und andere westliche Staaten beteiligt sind, nicht nur ein Kampf zwischen den Kurden und ihren Unterdrückern ist, sondern ein ideologischer Kampf. Westkurdistan sei gerade dabei ein wahre Demokratie im Nahen Osten aufzubauen, die es zu unterstützen gilt. Außerdem wurde auf den Hungerstreik in den türkischen Gefängnissen, der seit dem 12. September von hunderten von Gefangenen geführt wird und auf die Kampagne Freheit für Abdullah Öcalan und allen politischen Gefangenen hingewiesen. Misukalisch wurde der Abend mit Liedern von Cetin Oraner untermalt.

Andrea Wolf (15.01.1965 – 23.10.1998) war in den 1980er/90er Jahren aktiv in der Linken. 1997 ist sie nach Kurdistan gegangen und wurde dort am 23.10.1998 zusammen mit anderen KämpferInnen der PKK durch die türkische Armee gefangen genommen und ermordet. Bis heute gilt sie offiziell als
„Verschwundene“. Der FreundInnenkreis und die IUK haben seitdem viele Hinweise untersucht, sich mit Zeugen des Massakers getroffen, Verfahren gegen das türkische Militär in der Türkei eingeleitet und beim europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Klage eingereicht. In
seinem Urteil von 2010 hat der EGMR die Türkei gerügt, trotz stichhaltiger Beweise eine effektive Aufklärung des Kriegsverbrechens verhindert zu haben.

Hüseyin Çelebi wurde am 22. September 1967 als Sohn einer türkischen Mutter und eines kurdischen Vaters in Hamburg geboren. Seine ersten politischen Aktivitäten begannen 1974, als er an einer Demonstration gegen die Abschiebung von 169 Kurden durch den damaligen türkischen Premierminister Ecevit an das Saddam Regime im Irak teilnahm. In dieser Zeit war er Mitglied der Sozialistischen deutschen Arbeiterjugend (SDAJ). Nach dem Abbruch seines Studiums arbeitete er vor allem, um mehr Öffentlichkeit für die kurdische Frage in Deutschland und Österreich zu erreichen. Im Februar 1988 wurde er mit 20 anderen kurdischen Politikern unter dem Vorwurf des Terrorismus von der bundesdeutschen Regierung festgenommen. Im Sommer 1991 ging er nach Kurdistan. Dort starb er in einem Gefecht Mitte Oktober 1992, also genau vor 20 Jahren. Nach ihm wurde auch der dieses Jahr zum 20. mal in Bochum stattfindende Literaturpreis benannt.

Zu der Veranstaltung, an der 75 Besucher, meist Jugendliche, teilnahmen, luden gemeinsam ein der FreundInnenkreis Andrea Wolf, die SDAJ, die ALM, der Verband Studierender aus Kurdistan und der Mezopotamische Kulturverein.

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