Aufruf der YXK zu Blockupy Frankfurt 2013

blockupy2013-624x200Die aktuelle Krise der Kapitalistischen Moderne vertieft sich zusehends. Weiterhin werden die Kosten, die durch die Politik der AkteurInnen der Kapitalistischen Moderne entstehen, auf die vermeintlich Schwachen und Wehrlosen abgewälzt. Wir, der Verband der Studierenden aus Kurdistan – YXK, begreifen uns als Jugendliche, MigrantInnen, junge Frauen und ArbeiterInnen und gehören damit zum vermeintlich schwachen und wehrlosen Teil der Gesellschaft, der für die Kapitalistische Moderne und ihre Krisen und Kriege zahlen soll.
Bereits vor einem Jahr trug Blockupy Frankfurt den Widerstand gegen das europäische Krisenregime nach Frankfurt am Main; die Staatsgewalt antwortete mit Repression.
Heute stehen wir kurz vor Blockupy Frankfurt 2013: die Krise hat sich nicht entspannt. Die Kapitalisti­sche Moderne ringt nach wie vor um ihre Sanierung und ihre ProfiteurInnen in Staat, Wirtschaft und Ge­sellschaft machen erneut deutlich, dass sie dazu bereit sind, über Leichen zu gehen. Gerade deswegen ist es für uns als YXK eine Selbstverständlichkeit, unser bescheidenes Gewicht in die Waagschale gegen dieses System zu werfen.

Entstehung und Verlauf der Kurdischen Frage, dem unser Hauptaugenmerk gilt, sind mit der Gestaltung der Kapitalistischen Moderne im Nahen und Mittleren Osten untrennbar verbunden. Deshalb ist die Kurdische Frage nicht zuletzt eine soziale und wirtschaftliche. Jahrhundertelang wurden die Menschen Kurdistans bewusst in Armut gehalten, um ihre Arbeitskraft und die Ressourcen der Region ausbeuten zu können. Eine Entwicklung der Gesellschaften nach ihren Bedürfnissen wurde von Regimen der Region, internationalen Interessen und ProfiteurInnen vor Ort unterbunden. Nicht zuletzt ist die Kurdische Frage auch eine internationale Frage, da internationale Interessen immer den Verlauf dieser Frage entscheidend beeinflusst haben.
Gegen das fortwährende Bestehen der Kurdischen Frage hat sich eine breite Bewegung, die Kurdische Freiheitsbewegung herausgebildet. Sie baut seit zehn Jahren konkrete Alternativen zur Kapitalistischen Moderne auf, indem sie die Bevölkerung Kurdistans an der Basis ermächtigt, solidarisch zu wirtschaften, sich demokratisch zu organisieren und schlussendlich selbst nach ihren eigenen Bedürfnissen zu verwalten. Ziel dieses Aufbruchs ist eine demokratische, ökologische und geschlechterbefreite Gesellschaft.
Als konkretes Beispiel kann der Aufbau der Demokratischen Autonomie in Westkurdistan/ Syrien genannt werden: nachdem die staatlichen Sicherheitskräfte und Strukturen aus den Städten Westkurdistans vertrieben wurden, beteiligte sich die Kurdische Freiheitsbewegung nicht im Bürgerkrieg, sondern baut ihre Selbstverwaltung in Form von basisdemokratischen Volksräten, Schulen, Gerichten und Krankenhäusern, Wirtschaftsprojekten und Selbstverteidigungsstrukturen auf. Entscheidend dabei sind solidarische und demokratische Maßstäben, ohne Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Religion, Klasse, Geschlecht, Alter o.ä. auszugrenzen.
Natürlich profitieren auch europäische Banken und Unternehmen entscheidend vom Bestehen der kurdischen Frage und dem Krieg in Kurdistan. Beispielsweise hat sich allein im vergangenen Jahr der Export von Kleinwaffen aus der BRD in Vergleich zum Vorjahr verdoppelt; damit liegt der Exportwert so hoch wie seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr. Allein dieses Beispiel, das sich tausendfach in meist weniger offensichtlicher Form wiederholt, zeigt, dass das europäische Krisenregime kein Interesse daran hat, die Bedürfnisse der Gesellschaften zu befriedigen, sondern der Profitgier einiger Weniger hörig ist.
Die Verantwortung für den Verlauf der Kurdischen Frage, genauso wie für das Aufrechterhalten der Kapitalistischen Moderne sehen wir nicht zuletzt in Europa.

Daher beteiligen wir uns als YXK erneut an den Protesten zu Blockupy Frankfurt und rufen alle Mit­glieder sowie FreundInnen und GenossInnen dazu auf, mit uns am 31. Mai und 1. Juni Widerstand im Herzen des europäischen Krisenregimes zu leisten!