Abschlusserklärung des 20. YXK-Kongresses – Der Widerstand in Rojava und Shengal ist ein universeller Widerstand – Schulter an Schulter für die Befreiung von Patriarchat und Kapitalismus

yxklogo white-background 3Am 1. und 2. November 2014 fand an der Ruhr-Universität Bochum der 20. Kongress der YXK statt. Aus dem gesamten Bundesgebiet kamen YXKlerInnen zusammen und diskutierten über die aktuellen politischen Entwicklungen, reflektierten die Verbandsarbeiten seit dem 19. Kongress und entwickelten daraus neue Perspektiven für die kommenden Monate.

 

 

 

Zur Bewertung der politischen Entwicklungen und die Zukunftsperspektive:

Die Entwicklungen in Kurdistan in den letzten Monaten haben sehr deutlich gemacht, dass der Mittlere Osten und vor allem Kurdistan der Dreh- und Angelpunkt aller Interessenkämpfe der Großmächte ist. Sowohl der Angriff des IS auf die Region Shengal als auch der Angriff auf Kobanê zeigten, dass alle globalen Mächte sowie regionale Akteure die Gelegenheit nutzen, um daraus politisch Profit zu schlagen und dass es keineswegs dabei darum geht „die Kurden“ oder „die Êziden“ im Kampf gegen den IS zu unterstützen und humanitäre Hilfe zu leisten. Alle Leistungen, Äußerungen oder Unterstützungen von staatlichen Akteuren dienen ihrem Eigeninteresse.

In diesem Rahmen kann sowohl der Rückzug der KDP-Peshmerga aus Shengal, die militärische und politische Unterstützung der Autonomen Region Südkurdistan durch den Westen, aber auch die Luftangriffe gegen den IS und der geöffnete Korridor für Peshmergakämpfer nach Kobane interpretiert werden: Durch den Rückzug der Peshmerga Anfang August aus Shengal sollte ein weltweiter Aufschrei hervorgerufen werden, damit einer Unabhängigkeitserklärung der KRG die Legitimation gegeben wird. Die Unterstützung der KRG durch den Westen dient der Schaffung eines engen „kurdischen“ Partners in der Region, der als alternative zur PKK dienen soll. Die Luftschläge der „Anti-IS Allianz“ sowie der geöffnete Korridor sollen das Bild erzeugen, dass nur durch die Hilfe des Westens und seiner kurdischen Verbündeten, der KDP, die YPG dem IS Halt bieten konnte. Tatsächlich hatte die YPG und HPG weltweit ihrem Widerstand gehör verschaffen können, Sympathien erlangt und das gesellschaftliche Projekt in Rojava, unter der Führung der PKK, legitimiert. Weltweit gab es Proteste, Solidaritätsbekundungen und zahlreiche andere Aktionen, bei denen sich Millionen Menschen mit der PKK, der YPG und Rojava solidarisierten. Aus diesen Aktionen sind Dynamiken entstanden, die bisher kaum vorstellbar waren.

Die YXK muss für sich weiter Konsequenzen aus diesen Dynamiken ziehen. Als in Europa lebende junge Menschen ist es ihre Aufgabe, Teil der in Europa geführten sozialen und revolutionären Kämpfe zu werden und somit die Kooperation zwischen der Kurdischen Freiheitsbewegung und den Kämpfen in Europa zu intensivieren. Das Projekt Rojava ist nicht nur ein kurdisches Projekt, sondern ein fortschrittliches Projekt für den gesamten Mittleren Osten. Die Angriffe des IS auf Rojava, der durch die Türkei, Katar und Saudi Arabien unterstützt und durch die Politik des Westens bedingt werden, sind deshalb nicht nur Angriffe gegen KurdInnen, sondern Angriffe gegen eine fortschrittliche Idee, eine Idee, nämlich des Aufbaus einer Gesellschaft jenseits von nationalistischen, kapitalistischen und patriarchalen Vorstellungen, wofür in vielen anderen Teilen der Welt ebenfalls gekämpft wird. Die Aufgabe der YXK ist es, ihren Beitrag dazu zu leisten, diese Kämpfe auf verschiedenen territorialen und inhaltlichen Ebenen mit dem Kampf in Kurdistan näher zu bringen und zu verbinden. Die Politik der YXK ist sowohl mit den Entwicklungen in Kurdistan verbunden als auch abhängig von den sozialen und revolutionären Kämpfen hier in Europa, insbesondere in Deutschland. Antifaschismus, Refugee-Thematik, Patriarchat, Antikapitalismus, Bildungspolitik oder Gentrifizierung sind Themen, mit denen sich die YXK inhaltlich, politisch und organisatorisch deswegen auseinandersetzen muss.

Zur Bewertung der Arbeiten seit dem 19. YXK Kongress

Die Arbeiten des Verbandes nach dem 19. YXK-Kongress waren neben den regelmäßig stattfindenden Projekten (Newroz-Delegation, Hüseyin-Celebi Literaturpreisen, Ronahi-Zeitschrift, Winterakademie, Sommer-Camp, Delil-Ates Gedenkveranstaltung, YXK-Jin, diversen Bündnis-Arbeiten wie ABDEM-Jugend oder Tatort Kurdistan, Konferenzen, Lesekreisen, Infoveranstaltungen) geprägt vom Lösungsprozess, den Arbeiten gegen das PKK-Verbot und den Entwicklungen in Rojava.

In diesem Zusammenhang ist die Jugendkonferenz mit dem Thema „die Lösung der kurdischen Frage und die Demokratisierung der Türkei“ vom 9./10. November 2013 in Hannover zu benennen. Sie war Ergebnis monatelanger gemeinsamer inhaltlicher Vorbereitungen mit 15 weiteren internationalistischen Jugendorganisationen und setzte die Grundlage für gemeinsame größere Projekte mit anderen demokratischen und revolutionären Organisationen. Die große Beteiligung an der Newroz-Delegation war eine Folge davon und gab auch der Halim-Dener Kampagne einen Anschub. Die erfolgreiche Halim-Dener Kampagne, die dann insgesamt von 52 Organisationen getragen wurde und sich mit verschiedenen Themenfeldern wie Flucht, Folter, PKK-Verbot und Polizeistaat befasste, baute nämlich besonders auf den Diskussionen der Jugendkonferenz auf. Schließlich waren es die Angriffe des IS in Shingal, Kobanê und anderen Teilen Kurdistans, vor allem in Rojava, die inhaltlich unsere Arbeiten prägten. Besonders in den letzten Monaten waren Infoveranstaltungen, Informationsstände, Spendenkampagnen, Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams zur Solidarität mit dem Widerstand gegen den IS auf unserer Tagesordnung. In diesem Kontext ist unsere Rojava Jugenddelegation und die Übersetzung des Dokumentarfilms „The Silent Revolution“ zu erwähnen, über die wir zahlreiche Veranstaltungen gemacht haben und derzeit planen.

Um für die enorme mediale Aufmerksamkeit und für die rasanten Entwicklungen in Kurdistan und dem Mittleren Osten als Verband entsprechend antworten zu finden und als junge Studierende eigene Impulse für den Aufbau in Rojava geben zu können, ist es wichtig, unsere Bündnisse zu vergrößern, unsere Inhalte besser nach außen zu tragen, festere Koordinationsstrukturen von Solidaritätsarbeit zu schaffen und in allen Städten und Hochschulen als YXK vertreten zu sein.

Die Zeit nach dem 20. Kongress werden wir intensiv dafür nutzen die Energie, die in den letzten Monaten entstanden ist, in die Gründung neuer Ortsgruppen zu stecken. Junge Studierende geben Projekten und Bündnisarbeiten ganz andere Impulse. Deshalb müssen wir als Verband der Verantwortung gerecht werden, neue und viele junge Menschen für diese Arbeiten zu gewinnen,in so vielen Städten wie möglich vertreten zu sein, Bündnisse einzugehen und Teil der lokalen und bundesweiten Kämpfe zu werden. Hierzu rufen wir alle junge Menschen, die in ihren Städten und Hochschulen YXK-Arbeiten machen wollen auf, sich beim Verband zu melden.

Allgemeine Planung:

– Die Initiative „Solidarität mit Rojava“ wird verstärkt in den Verband und in die nicht-kurdische Öffentlichkeit hineingetragen. In deren Rahmen finden verschiedene Veranstaltungen statt.

– Neue Ortsgruppen werden gegründet, betreut und gestärkt.

– Die Newroz-Delegationreise nach Nordkurdistan findet im März 2015 statt.

– Die 23. Hüseyin Celebi Literaturpreise finden im Oktober 2015 in Dortmund statt.

– Die Verbandszeitschrift Ronahi wird weiterhin zur ideologischen Zeitschrift des Verbandes ausgebaut und erscheint in regelmäßigen Abständen.

– Die Bündnisse mit anderen demokratischen Organisationen werden gestärkt und diese in die Arbeiten der Kampagne Tatort-Kurdistan eingebunden.

– Eine Winterakademie und eine Delil-Ates Veranstaltung finden im Winter statt.

– Ein Sommercamp findet im nächsten Sommer statt.

– Infoveranstaltungen, Konferenzen, Seminare verschiedener Themen finden statt.

– Lesekreise und andere Bildungsveranstaltungen werden für die OG ausgerichtet.

Die kompletten Beschlüsse des 20. Kongresses werden in kürze auf unserer Homepage veröffentlicht.

Wer sich in den einzelnen Arbeiten einbringen will oder eigene Projekte verwirklichen will, kann sich jederzeit bei info@yxkonline.de melden.

Wir bedanken uns bei allen TeilnehmerInnen des Kongresses und wünschen uns allen viel Erfolg bei den zukünftigen Arbeiten, serkeftin!

17. November 2014 ,
YXK – Yekîtiya Xwendekarên Kurdistan