717. WOCHE: Wo sind unsere verschwundenen Kinder?

717. WOCHE:
Wo sind unsere verschwundenen Kinder?

In Istanbul sind die #Samstagsmütter vergangenen Samstag zum 717. Mal zusammengekommen, um trotz Polizeiblockaden und Übergriffen nach dem Verbleib ihrer verschwundenen Angehörigen zu fragen und Gerechtigkeit zu fordern.

Seit nun 23 Jahren kämpfen die „Samstagsmütter“ für die Aufklärung von Fällen, in denen ihre Kinder und Angehörige nach ihrer Festnahme spurlos verschwunden sind. Sie protestieren im ganzen Land gegen die staatliche Politik des Verschwindenlassens.

Das gewaltsame Verschwindenlassen ist in der Türkei seit Jahrzehnten ein gängiges Instrument der Repression – trotz aller Beteuerungen über die angebliche Verbesserung der Menschenrechtssituation von Seiten der faschistischen türkischen Regierung.
Sie kennzeichnet die aggressive Praxis terroristischer und diktatorischer Gewaltherrschaft, die in der Türkei weiträumig verbreitet ist.

Bis zu 17.000 Menschen, darunter PolitikerInnen, JournalistInnen, AnwältInnen, KämpferInnen der kurdischen Freiheitsbewegung und weitere Bürgerinnen und Bürger, gelten seit den 1990er Jahren als verschwunden.
Sie wurden verschleppt oder kehrten nie von Verhören durch die Militärpolizei oder aus der Gefangennahme zu ihren Familien zurück. Mehrheitlich betroffen von dieser Praxis sind Kurdinnen und Kurden und auch heute steigt die Zahl der Verschwundenen kontinuierlich an.
Für das Rekordjahr 1994 sind 191 sicher bestätigte Fälle und weitere 341 vermutete Fälle dokumentiert – die meisten davon aus den kurdischen Gebieten.

Da die Regierung und die Justiz schwiegen und sich diese brutale Praxis unübersehbar ausweitete, organisierte sich eine Gruppe von Müttern, die gegen diese Repressionen demonstrierte.

Die Initiativen begannen im Mai 1995, als sich zum ersten Mal jeden Samstag die Angehörigen der Verschwunden auf dem Galatasaray-Platz in Istanbul versammelten, um an ihre vermissten Söhne, Töchter, Väter und Männer zu erinnern.

Der Entschluss zu diesem ersten Schritt wurde gefasst, nachdem am 19. Mai 1995 die Leiche von Hasan Ocak von seiner Familie gefunden wurde. Hasan Ocak verschwand am 21. März 1995, nachdem er von Leuten, die sich als Polizei ausgaben, mitgenommen worden war.

Anfangs sind es nur 15 Frauen, die sich versammeln. Am Samstag darauf sind sie wieder da – und wieder – und wieder.
Der Protest findet langsam Beachtung, erst im Inland, dann im Ausland.
Die Frauen geben nicht auf und von da an
versammeln sie sich jeden Samstag vor dem Galatasaraygymnasium in Istanbul, friedlich, ruhig, mit Fotos ihrer verschwundenen Angehörigen, um auf diese Weise ihre Forderung sichtbar zu machen: die Verbrechen aufzuklären, zu stoppen und die Schuldigen vor Gericht zu bringen !

Sie schildern Fälle, in denen ihre Söhne, Väter und Männer vor Augenzeugen verschleppt wurden und nach Monaten auf einem Friedhof für namenlose Opfer gefunden wurden. Fälle, in denen ihre Angehörigen das Haus verließen und nie wieder zurückkehrten.

Auch anfänglich versuchte die türkische Regierung, die Initiative dieser Frauen mit Gewalt zu zerschlagen und zu verbieten. Immer wieder wurden die Frauen von der türkischen Polizei angegriffen, festgenommen, geschlagen und anschließend gefoltert.
Als die Proteste einen unerwartet großen Umfang Annahmen, wurden die Reaktionen seitens der türkischen Regierung zunehmend brutaler.
Mehrere hundert Menschen wurden zur Polizeiwache gebracht. Man leitete Verfahren gegen sie ein, um sie einzuschüchtern.
Doch aufgegeben haben diese Mütter bis heute nicht. Allein durch ihren starken Willen haben es diese Frauen geschafft, ihre Stimmen auch über die Grenzen des Landes zu tragen.
Die Samstagsmütter werden nicht schweigen!

Wir verneigen uns vor diesem entschlossenen und historischen Widerstand und möchten diesem nutzen Kampf Ausdruck schenken.
Widerstand heißt Aufstand – nieder mit eurem Faschismus!
Bringt unsere Kinder zurück !

#Cumartesianneleri
#BenimAnnemCumartesi

 

 

JXK – Studierende Frauen aus Kurdistan