Der historische Sieg von Kobanê

Der historische Sieg von Kobanê

Ein Sieg von weltweiter Bedeutung:
KOBANÊ IST SEIT 4 JAHREN FREI!

 

Zum Jahrestag der Befreiung Kobanês beglückwünschen wir die gesamte Menschheit, die Völker des Mittleren Ostens und die Widerstand leistenden Rojavas!

Am 26. Januar 2015, teilte das Generalkommando der kurdischen Einheiten YPG und YPJ (Volksverteidigungs- und Frauenverteidigungseinheiten) der Weltöffentlichkeit mit, dass nach 134 Tagen eines heldenhaften und selbstlosen Kampfes die kurdische Stadt #Kobanê in #Rojava (Nordsyrien) vollständig von den dschihadistischen Besatzern des sogenannten Islamischen Staates gesäubert wurde und die Stadt befreit war.

Als der IS mit türkischer Hilfe am 13. September 2014 in Kobanê einfiel und dort einen genozidalen Angriff startete und die kurdische Bevölkerung einem systematischen Massaker unterzog, trat der Name Kobanê plötzlich ins Zentrum der Weltöffentlichkeit.

Massaker, über 3000 Tote, unzählige Verwundete, Zerstörung, Vergewaltigungen, Vertreibung, Verschleppung, Misshandlung, Plünderung:
Kobanê wurde vor den Augen der Öffentlichkeit zum Schauplatz von bestialischen Kriegsverbrechen.

In Kobanê wurde Geschichte geschrieben:

Einzig und allein waren es auch diesmal die Verteidigungseinheiten der YPG und YPJ, die mit unendlicher Opferbereitschaft einen erbitterten und heldenhaften Widerstand führten und für die Sicherheit der Zivilbevölkerung, die Rückeroberung der Stadt und die Verdrängung der Besatzer kämpften und sich opferten.
Wochenlang kam es im Minutentakt zu heftigen Gefechten zwischen den kurdischen Truppen und den radikalislamistischen und faschistischen Besatzern.

Durch heftige und verlustreiche Gefechte mit den islamistischen Milizen, erkämpften Verteidigungseinheiten der Bevölkerung Fluchtkorridore, befreiten tausende Menschen aus der Gefangenschaft, setzten den IS außer Kraft und verdrängten übrige Besatzer vollständig aus der Stadt. Auch die Zivilbevölkerung bewaffnete sich und beteiligte sich an dem Kampf gegen die islamistischen Milizen.
Kobanê blieb fast vier Monate lang umkämpft und wurde weltweit zu einem Symbol im Kampf gegen den IS.

Heute ist Kobane frei.
Auf den Straßen, auf denen noch vor vier Jahren IS-Kämpfer gestaffelt in Begleitung dschihadistischer Parolen ihre Mordzüge begannen, hört man heute lautes Kindergelächter.

Kobanê ist nur eine kleine Stadt im Norden Syriens, doch als Teil der demokratischen Selbstverwaltung Rojavas, ist sie ein Symbol der Hoffnung für Millionen Menschen geworden.
Dass es in Kobanê um viel mehr als die Eroberung einer Stadt ging, wurde sehr schnell deutlich. Die Dialektik zwischen der Verteidigung Kobanês und dem Eintreten für universelle Werte der Menschheit verlieh dem Kampf sowohl einen globalen als auch symbolischen Charakter. Millionen Menschen auf der ganzen Welt erkannten, dass in Kobanê auch ihre Werte und Ideen verteidigt werden und solidarisierten sich mit der basisdemokratischen Alternative in Rojava.
Insbesondere der Widerstand der Frauen war richtungsweisend und bewirkte, dass der Kampf um Kobanê globale Dimensionen annahm.
Mit dem globalen Ausmaß des Kampfes für Kobanê wuchs auch die #Revolution in Rojava zu einer Schöpferin großer Errungenschaften.
Hunderte internationalistische Freiwillige sind den Reihen der YPJ und YPG beigetreten und haben mit großer Hingabe in Kobanê an vorderster Front gekämpft. Für die Verteidigung menschlicher Werte ließen unzählige junge Menschen ihr Leben.

Unter dem Motto „Überall ist Kobanê, überall ist Widerstand!“ solidarisierten sich weltweit Hunderttausende Menschen mit Rojava und der 1. November wurde zum Welt-Kobanê-Tag erklärt. Diese weltweite Solidaritätswelle leistete einen wichtigen Beitrag für die Befreiung der Stadt.

Die vollständige Einnahme von Kobanê hätte dem IS die Kontrolle zu einem Grenzübergang in die Türkei gegeben und eine direkte Verbindungslinie zwischen den von ihm kontrollierten Gebieten in Syrien und dem Irak geschaffen. Das konnte mit dem Widerstand der Menschen Rojavas verhindert werden und kennzeichnete die bisher größte Niederlage des IS.

Heute:
Kobanê ist heute zu 90% wiederaufgebaut. Die selbstverwalteten Gebiete sind wieder bewohnt, neue Häuser und Schulen wurden gebaut und ein ökologisch gerechtes System und Kommunen wurden errichtet.

Das Leben unter Scharia-Gesetzen, das Leben als Sexsklavin und Geisel ist vorbei.
Kobanê, eine Stadt, die fast vollständig vom Krieg gezeichnet war, keimt nun auf als das Zentrum der Rojava Revolution.
Trotz gegenwärtiger Bedrohung für Rojava, wird dort eine Alternative gelebt, die ihre Beständigkeit dem Aufstieg der Frauen verdankt. Die basisdemokratische Selbstverwaltung in Rojava ist ein ideologisches Beispiel für die gesamte Welt.

Trotz dessen wird in Kobanê weiterhin ein ideologischer Kampf geführt, der die Ideologie des Islamischen Staates aus den Köpfen vieler Menschen zu verdrängen versucht, die getarnt dem IS angehören oder sich die Ideologie unter IS-Herrschaft aneigneten.
Zudem ist Kobanê immer noch ein großes Ziel des türkischen Militärs, weshalb die Verteidigung der Stadt rund um die Uhr gewährleistet ist.

Ein politischer Konsens:
Schon 2014 griff der IS als Handlanger Erdogans Kobanê an, doch durch den heldenhaften Widerstand der KämpferInnen der YPG und YPJ, wurden die islamistischen Milizen weitestgehend bekämpft und verdrängt.
In den vergangenen Wochen griff die Türkei Kobanê erneut offensiv an.
Für den erneuten Angriff auf Rojava erhielt Erdogan grünes Licht bei dem Vierer-Gipfel Treffen in Istanbul und auch diesmal waren deutsche Waffen an vorderster Front im Einsatz gegen die Bevölkerung von Rojava.
Um ihr faschistisches Machtterritorium zu stabilisieren und die demokratische Autonomie in Rojava (Nordsyrien) zu schwächen, bekam die Türkei Zuspruch von Europa und den Staaten und verübte so erneut Anschläge auf die Stadt.
Damit verschafft die Türkei ihren Verbündeten des IS gerade im Südosten Syriens (Dêra Zor) eine gefährliche Atempause und erschwert der YPJ und YPG gezielt den Kampf gegen die übrigen IS Banden.
Und dort spielt besonders die Türkei mit offenen Karten: Erdogan möchte den Kampf gegen den IS und somit die Friedensbestrebungen im Nahen und Mittleren Osten, mit aller Kraft verhindern.

In Rojava wurden vor den Augen der internationalen Staatengemeinschaft auf Kosten der kurdischen Zivilbevölkerung, kaltblütige und habgierige Interessen durchgesetzt.

Dabei scheint der heldenhafte Kampf kurdischer Einheiten im Nahen Osten, der im Namen der gesamten Menschheit geführt wurde und den IS weitgehend militärisch besiegt hat, schnell vergessen.

Im Gegenzug dafür werden die YPG und YPJ europaweit besonders in #Deutschland kriminalisiert und politisch, sowie auch mit Waffenexporten an die Türkei bekämpft.
Kurdische Aktivist*innen und Solidarisierende werden politisch verfolgt, Flaggenverbote werden intensiviert, Demonstrationen werden verboten und aufgelöst, gewaltsame Übergriffe auf Demonstrierende werden legitimiert und es werden zahlreiche Polizeirazzien in kurdischen Einrichtungen vorgenommen.

Die Hintergründe sind bekannt:
Dass die Kriminalisierung von kurdischen Bewegungen, Parteien, Flaggen, Persönlichkeiten und Aktivist*innen radikal voranschreitet und dass zunehmend regierungskritische Stimmen verboten werden, zeigt dramatische Parallelen zu Erdogans Unterdrückungspolitik und eine offensichtliche Legitimation der seit Jahrzehnten andauernden Menschenrechtsverletzungen in der Türkei!
Auch diesmal stellte die BRD ihre schmutzigen Deals mit dem faschistischen AKP-Regime deutlich unter Beweis:
Deutsche Unternehmen wurden in Kobanê und #Afrîn Kriegspartei und Teil eines völkerrechtswidrigen Angriffskrieges.
Aus diesem Grund sehen wir die gesamte deutsche Öffentlichkeit in der Verantwortung für die Besatzerangriffe der Türkei auf Rojava!

Doch Kobanê bleibt ein Symbol des heldenhaften Widerstandes!

Heute schlagen für den IS die letzten Stunden. Tagtäglich schrumpft das Gebiet, welches sich territorial nur noch über wenige Kilometer erstreckt. Der IS ist damit strategisch am Ende und wird in diesem entschlossenen und andauernden Kampf der Anti-IS-Koalition jegliche Wurzeln seiner Ideologie verlieren.

Die wichtigste Schlussfolgerung für die Zukunft ist, dass der Kampf in Rojava Teil des weltweit organisierten internationalen revolutionären Prozesses wird!
Denn nur die internationale Revolution wird Freiheit von Ausbeutung, Faschismus und Unterdrückung, die Befreiung der Frau und die Einheit von Mensch und Natur nachhaltig gewährleisten können

Der Erfolg von Kobanê ist eine Ermutigung und gleichzeitig eine Aufforderung, Teil eines Widerstandes zu werden, der von allen Teilen der Welt aus geleistet werden kann!
Denn Kobanê ist nicht nur Symbol für den Befreiungskampf gegen den sogenannten IS, Kobanê ist ebenfalls das Symbol für Frauenbefreiung, Internationalismus und Hoffnung für eine bessere Welt.

Lasst uns an der Revolution der Menschen in Rojava teilhaben.
Die Errungenschaften der Rojava-Revolution müssen gemeinsam – auch hier in Europa verteidigt werden!

In Kobanê ließen unzählige Kämpferinnen und Kämpfer sowie Zivilist*innen ihr Leben.

Wir erinnern an all die blutigen Kriegsverbrechen, die der IS Hand in Hand mit der Türkei und der BRD in Rojava beging.
Wir erinnern an diejenigen, die regelrecht in einer Art von Blutrausch massakriert, gefoltert, vergewaltigt, verschleppt und versklavt wurden.
Wir erinnern an diejenigen, die der Bevölkerung Fluchtkorridore erkämpften, sie durch verlustreiche Gefechte verteidigten und sie aus der Gefangenschaft befreiten.
Wir erinnern an das große menschliche Versagen, an das ohrenbetäubende Schweigen der Öffentlichkeit und an einen gegenwärtigen Krieg gegen die Kurdinnen und Kurden!

Kobanê zeugte vom endlosen Leid der Menschen und zeichnet heute dennoch einen hoffnungsvollen Neubeginn.

Unser größter Dank gilt denjenigen, die Kobanê mit ihrem eigenen Leben verteidigten.

In Gedenken an alle wertvollen Persönlichkeiten, die sich im Namen der Freiheit aufopferten.

Şehîd namirin
In unserem Kampf lebt ihr weiter

YXK – Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.