YXK bei der Palästina-Delegation 2019

Tag 8 – 03.08.2019 (Letzter Eintrag)

Dembaş Hevalno,

wir sind heute an unserem letzten Tag angekommen. Wir haben es nur schwer realisieren können, da wir gefühlt schon mehr als eine Woche hier sind. Es ist erstaunlich, wie sehr die Genossenschaftlichkeit uns so sehr an Farkha gebunden hat.

Die Zementmauer ist auch endlich fertig geworden! 300 Meter wurde sie und nur Dank der harten Arbeit konnten wir es auch zu Ende bringen.

Nach der Arbeit bereiteten sich alle auf die Abschlussfeier vor. Es wurden Sitzreihen gemacht, der Platz wurde vorher noch gefegt, die Bühne wurde aufgebaut und einige Willkommensplakate wurden aufgehangen.

Als die Gäste ankamen und jede*r Platz genommen hatte, wurden erstmal alle von den Leitern des Fedtivals herzlich Willkommen geheißt. Nach der Begrüßung wurden auch einige Dankesreden gehalten. Es wurde den palästinensischen und internationalistischen Freiwilligen und den Sponsoren des Festivals gedankt.

Als das Programm mit Musik und Tanz losging, sind auch gleich alle Jugendlichen (uns mit eingeschlossen) sofort aufgesprungen und haben angefangen zu Tanzen. Natürlich gab es hier kein Halay, aber dafür schöne traditionelle palästinensische Volkstänze. Mehrere Stunden wurde getanzt und gesungen. Alle waren sehr Stolz über die Errungenschaften der ganzen Gruppe.

Es war eine sehr schöne Woche, voller Freude und neuer Genossenschaften. Der Abschied wird uns Morgen früh sehr schwer fallen, aber wir sind uns sicher, dass wir wiederkommen werden! Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

Hiermit beenden wir unseren Reisebericht. Eine ausführliche Analyse werden wir demnächst Posten!

Serkeftin!

Tag 7 – 02.08.2019

Dembaş Hevalno,

wir sind heute bei unserem 7. und vorletzten Tag angekommen. Wir sind kurz davor, die Mauer an der Straße fertig zu bauen, die die anliegenden Häuser davor schützen soll, von ihren Stellen abzurutschen.

Im Garten haben wir den Baum, der für Öcalan gepflanzt wurde, gesehen und haben uns über die Ehre gefreut, die das Dorf dem Vorsitzenden der kurdischen Freiheitsbewegung gewidmet hat. 😊

Nach der Arbeit wurde ein stilles Theaterstück vorgeführt, in dem es über die ersten Wellen der jüdischen Bevölkerung geht, die nach dem 1. Weltkrieg nach Palästina kamen. Das Stück hieß „Stones and Oranges“.

Nach dem Theaterstück wurde für weitere 2 Stunden das Jugendplenum vom 5. Tag fortgesetzt. Diesmal wurde über Feminismus und der Rolle der Frau diskutiert. Es war eine harte, aber gute Diskussionsrunde, in der alle Teilnehmer*innen ihre Ansichten, Probleme und Lösungsansätze über dieses schwere Thema ansprechen konnten, da die Frau in Palästina und dem nahen Osten einer stärkeren Unnterdrückung entgegen steht, als in den westlicheren Ländern. Leider war die Zeit auch hier zu knapp, um weiter diskutieren zu können.

Zum Abend hin wurde dem Genossen Tawiq Zayak gedankt, der vor einiger Zeit verstarb und im Rahmen des Festivals viel Kraft und Liebe reinsteckte. Er war der Vorsitzende, der sich viele Jahre um die freiwilligen Helfer*innen gekümmert hat.
Ihm wurde viel Applaudiert und auch hier wurde ihm durch Gesänge und Tanz gedankt.

Danach war es wieder mal Zeit, um schlafen zu gehen. Morgen wird unser letztes mal sein, dass wir hier Arbeiten werden. Wir werden unser bestes geben, die Mauer fertig zu bekommen! ✌

Tag 6 – 01.08.2019

Dembaş Hevalno,

den 6. Tag des Farkha-Festivals haben wir wieder mit der Arbeit im Garten und auf der Straße begonnen. Die Mauern die wir bisher gebaut haben ergeben insgesamt eine Länge von 300 Metern.

Je weiter die Zeit vergeht, desto mehr bemerken wir wie der Zusammenhalt der Gruppe weiter wächst. Die Arbeit die wir hier alle gemeinsam für das Dorf leisten schweißt uns alle zusammen und unterstreicht die Solidarität untereinander.

Am Nachmittag gab es eine Veranstaltung bei dem den Sponsoren des Festivals sowie den Reinigungskräften aus Salfit (bekommen für ihre anstrengende Arbeit wenig Geld) gedankt wurde für ihre Unterstützung.

Im Anschluss gab es ein buntes und vielseitiges Buffet mit traditionellem palästinensischen Essen. Auf dem Festival wird nicht gegessen ohne das danach zu palästinensischer Musik gesungen und getanzt wird. Welch schöne Tradition! 😊

Am heutigen Tag fanden zwei politische Workshops statt. Der erste Workshop handelte von der aktuellen Situation der Linken in Deutschland und diente u. A. dazu den palästinensischen Genoss*innen von den Problemen unserer Gesellschaft in Deutschland zu erzählen. Der Aufstieg der rechten sowie der damit verbundene Rechtsterror standen im Fokus des Vortrags. In der anschließenden Diskussionsrunde haben die palästinensischen Genoss*innen Fragen zur Lage der geflüchteten Menschen in Deutschland sowie zu Alltagsrassismus gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund gestellt.

Im zweiten Workshop haben wir als Vertreter*innen der YXK das Projekt Rojava vorgestellt. Ein Genosse erklärte zu Beginn des Vortrags die geografische Lage sowie den Hintergrund zur Entstehung und Revolution in Rojava. Anschließend erklärte eine Genossin die Grundprinzipien des demokratischen Konföderalismus anhand einiger Beispiele und vorallem an Rojava selbst. Im Anschluss wurde nochmal die aktuelle politische Lage besprochen, es wurde auf den Tag X aufmerksam gemacht und es wurde zur Solidarität aufgerufen.  Im Anschluss wurden ein paar Fragen beantwortet hinsichtlich des wirtschaftlichen Systems, das in Rojava benutzt wird und wie die türkische Regierung zur einer autonomen nordkurdischen Region steht.

Uns wurde vom Leiter des Festivals erzählt, dass Sie letztes Jahr zu Ehren Abdullah Öcalans einen Baum im ökologischen Garten angepflanzt haben. Bei der morgigen Arbeit im Garten wird uns der Leiter den Baum zeigen und ihr werdet diesen natürlich auch zu sehen bekommen. 🤩

Nach dem Vortrag wurde zu Abend gegessen und die Genoss*innen sind danach in ihre Quartiere gegangen um vor dem harten Arbeitstag ein wenig Schlaf zu bekommen.

Tag 5 – 31.07.2019

Rojbas Hevalno,

der 5. Tag hier im wunderschönen Farkha fing wie jeder Tag mit dem leckeren Frühstück an.

Dieser Tag sollte uns als Erholungstag dienen, nach den harten und arbeitsreichen Tagen zuvor.

Nach dem Frühstück sind wir mit Reisebussen in Richtung Sebastia (alte römische Stadt) gefahren, wo wir uns alte Moscheen, Kirchen und weitere historische Stätten angeschaut haben. Dabei haben wir einen tiefen Einblick über den geschichtlichen Hintergrund ermöglicht bekommen.

Wir besuchten danach ein öffentliches Festivalgelände, welches stark vermüllt war. Zusammen mit allen Genoss*Innen haben wir die Anlage aufgeräumt und waren am Ende über die Anzahl von 60 Müllsäcken erstaunt. Dies hat uns wieder verdeutlicht, welche Wichtigkeit das ökologische Verständnis innerhalb der Gesellschaft spielt.

Nach der Städtereise und der Aufräumaktion ging es in ein Schwimmbad, wo wir uns gegen die teils brennende Hitze abkühlen konnten.

Natürlich wurde aber auch dieser Tag nicht ungenutzt gelassen, um sich über politische Diskussionen mit den palestinänsischen Genoss*Innen auszutauschen. Wir haben uns mit allen Interessierten zusammen gesetzt und über die politische Lage der palestinänsischen Jugend in Palästina geredet und unsere Erfahrungswerte aus Deutschland mit Ihnen geteilt. Es lief auf einen spannenden und gegenseitig lehrreichenden Austausch hinaus.

Morgen gehts dann wieder an die Brigadearbeit und am Abend werden wir einen Vortrag über Rojava und den Demokratischen Konförderalismus halten.

Liebe Grüße aus Farkha

Tag 4 – 30.07.2019

Marhaba und Rojbaş Hevalno,

am 4. Tag haben wir natürlich wieder das gemacht, was wir die ersten 3 Tage gemacht haben. Deswegen verschonen wir euch diesmal mit den Mauern. 😄

Nach der Arbeit gab es noch mal eine Bildung für die internationalistischen Freiwilligen. Diesmal fing es mit die politischen Situation in und um Palästina an. Uns wurde viel über die politische Vorgehensweise des iraelischen Staates gegen die palästinensische Bevölkerung erklärt und wie die Bevölkerung dagegen kaum etwas unternehmen konnte. Es wurde auch viel diskutiert zwischen den Genoss*innen und dem Referenten.
(Mehr zu den Diskussionen und der politischen Lage und unserer Sicht dazu werden in der neuen Ronahî erscheinen, da es hier zu viel sein könnte und den Rahmen der Berichte sprengen könnte.)

Nach der Diskussion kamen wir nochmal mit einigen palästinensischen Jugendlichen zusammen, um für den 5. Tag ein Plenum zu organisieren, bei dem wir die aktuelle Lage der palästinensischen Jugendlichen besprechen können und wie wir ihnen dabei helfen können mehr Jugendliche zu gewinnen.

Morgen werden wir mal nicht arbeiten und einen Ausflug zu einer alten römischen Stadt fahren (Sebastia) und danach an einem ruhigen Oet das Plenum abhalten. ✌

Sevbaş und bis Morgen!

  
Tag 3 – 29.07.2019

Rojbaş aus dem heißen Palästina,

heute begann der Morgen wie jeder andere. Wir wachten um 7 Uhr auf und aßen alle gemeinsam zum Frühstück. Um 8:30 Uhr fingen wir pünktlich mit unseren Brigardenarbeiten an. Wieder war die Zementmauer an der Straße und die Steinmauer im Garten dran.

Die Arbeit an den Mauern verliefen wie am 1. Tag. Fotos von der Arbeit und den fertigen Mauern zeigen wir euch die nächsten Tage, da wir unsere Handys hier meistens nicht anrühren.

Nach der Arbeit gab es um 14 Uhr Mittagessen. Das Nachmittagsprogramm Bestand diesmal aus einem Circus für die Kinder des Dorfes, das im Rahmen des Festivals stattfand und von der Organisation World Vision geplant wurde. Dieser ging bis ungefähr 19 Uhr und danach wurden den Kindern Geschenke von uns überreicht.

Parallel dazu fand für die International*innen ein Workshop bezüglich Besitzerrechte der Frauen in der Ehe. Dabei wurde uns die absurde und ungleiche Rechtsstellung der Frau gegenüber dem Mann verdeutlicht und die Forderungen der Frauenorganisation YMCA näher gebracht.

Danach gab es für die Internationalist*innen ein Vortrag von dem Gründer der Kampagne „Stop the Wall“, die sich gegen das Unterdrückungssystem des israelischen Staates und den Protesten gegen die Mauer einsetzen. Dabei wurde uns der tiefgreifende Konflikt anhand einer Präsentation näher gebracht. Besonders erschütternd waren dabei die Bilder von Palästinenser*innen, die durch die israelische Unterdrückungspolitik fliehen mussten. Die Bilder der Volksaufstände (Intifada) erinnernten uns an den heldenhaften Widerstand der  Freund*innen in Kurdistan.

(Die ersten beiden Volksaufstände waren, im Vergleich zum 3. Intifada, nicht mit antisemitischen Zügen  geschmückt und waren das, was sie sein sollten. Aufstände gegen die damalige Unterdrückung, nicht gegen die jüdische Bevölkerung selbst.)

Nach der Bildung kam schon die Zeit, schlafen zu gehen. Wir freuen uns schon darauf, was uns morgen erwartet!

 
Tag 2 – 28.07.2019

Dembaş Hevalno,

für uns hat heute der zweite Tag begonnen, bei dem die männlichen Genossen von dem Bürgermeister der Stadt sehr impulsiv und persönlich geweckt wurden.
Anschließend haben wir Manakish mit Zataar und Gemüse gegessen und sind mit einem sehr stark gezuckerten Çay in den Tag gestartet. Nach dem  Frühstück wurden wir in unsere Arbeitsbrigaden eingeteilt, mit welchen wir in unterschiedlichen Bereichen den Freund*innen bei dem praktischen Ausbau des Dorfes sowie bei der Instandhaltung des Camps helfen konnten.

Einige von uns haben die ersten Stunden mit der Reinigung der Gemeinschaftsflächen des Camps und der Vorbereitung des Essens, gemeinsam mit der Frauenorganisation der Stadt verbracht. Andere Arbeitsgruppen haben durch handwerkliche Arbeit dabei geholfen, eine öffentliche Straße auszubauen. Dabei wurde Zement aus Kies, Sand und Wasser in einem Zementmischer hergestellt. Steine mussten zur Verstärkung des Walls herangebracht werden und eine Holzkonstruktion gebaut werden. Die Arbeit verlief arbeitsteilig und wurde kontinuierlich durch Menschenketten geleistet. Alle, egal welchen Alters oder Erfahrungsgrad, konnten sich einbringen und wurden eingebunden. So arbeiteten wir kontinuierlich, unterbrochen durch kurze Pausen mit kaltem Wasser, Zigaretten und Schokoladentafeln.

Andere von uns haben Landschaftsarbeit auf einem Berg betrieben und dort Plateaus für einen ökologischen Garten gebaut, damit eine Perspektive für Bauern in dem Dorf geschaffen werden kann, welche immer mehr in größere Städte ziehen und andere Art von Arbeit verrichten. Hier wurden die Plateus mit Hilfe von Steinmauern gebaut und auch hier wurden Menschenketten zum effektiven Transport der schweren Steine genutzt.

Nach der Arbeit kamen wir alle zum Mittagessen zusammen, nachdem wir geduscht und uns kurz erholt hatten.
Nachdem wir alles aufgeräumt hatten, sind wir in die Altstadt von Farkah gelaufen, wo uns der Bürgermeister über die Geschichte des Dorfes berichtete und uns in alte Ruinen früherer Wohnhäuser und einer Olivenölherstellung führte. Dabei merkten wir, dass er mit ebensolcher Begeisterung über das Leben der Arbeiter*innen und Bauer*innen in dem Dorf berichtete, wie er auch politische Reden hält. Wir konnten eine wundervolle Aussicht genießen, die weiter reichte, als wir laufen konnten.

Zurück im Camp, haben wir für unsere Brigaden Co-Vorsitzende gewählt, als wir uns in kleineren Runden noch einmal neben der gemeinsamen Arbeit näher austauschen und kennenlernen konnten. Die Co-Vorsitzenden bekommen über die Zeit des Festivals die Verantwortung über die jeweiligen Gruppen und setzen sich zu Koordinationstreffen zusammen.

Anschließend erwartete uns ein sehr emotionales und schönes Kulturprogramm. Als erstes wurde einem Genossen gedacht, der schon lange Zeit Teil des Farkah-Festivals war und vor wenigen Monaten an gesundheitlichen Problemen gestorben ist. Es redete der Bürgermeister, welcher erst unter Tränen kaum Worte herausbekam und über das Leben und die Tätigkeiten des Freundes berichtete. Der beste Freund berichtete anschließend noch einmal über seine sehr persönliche Perspektive auf den Freund. Die Stimmung war sehr emotional, aber auch bewusst über die großartigen Werke und das wertvolle Leben des Freundes für die Gemeinschaft. Eine Musikgruppe untermalte dies alles anschließend mit Liedern, welche den Genossen in einer guten Stimmung in Erinnerung behalten und wertschätzen ließen.

Nach einer kurze Pause mit Eis bekamen wir ein Theaterstück vorgeführt, indem es über progressive Bildungsmethoden und Inhalte ging, welche in Opposition zu dem religiös-feudalen Bildungsverständnis der Regierung ging. In einer Pause konnten wir die Eindrücke diskutieren, beziehungsweise uns die Geschichte noch einmal in Zusammenhang mit der aktuellen politischen Lage erklären lassen.

Das Abendessen, welches auch das Lieblingsessen des verstorbenen Freundes war, war ebenso köstlich wie gestern.

Wir trafen uns davor noch einmal mit unserer Delegation, um Eindrücke auszutauschen und Probleme zu thematisieren.

Nach dem Abendessen endete unser Tag schon früher, wir trafen uns noch mit unseren Arbeitsbrigaden für ein kurzes Plenum und beendeten den Tag.
Alles in allem freuten wir uns heute sehr darüber, die Freund*innen schon am zweiten Tag mit praktischer Aufbauarbeit unterstützen zu können, in der wir Zugang zu einer üblichen Klassenperspektive bekamen. Das kulturelle Programm war aufschlussreich über das Dorf und die Probleme der Gesellschaft. Die nächsten Tage werden wir dieses noch vertiefen können!

Tag 1 – 27.07.2019

(Wird aktualisiert)

 


27.07.2019

Ab heute ist ein Teil der YXK & JXK auf einer Delegation in Palästina. Sie werden beim 26. Farkha Festival teilnehmen und hier täglich über ihre Erlebnisse & Eindrücke berichten.