24. April – Gedenken an den Völkermord an den ArmenierInnen

24. April – Gedenken an den Völkermord an den ArmenierInnen

Aghet, 1915

Der Völkermord der JungtürkInnen an den ArmenierInnen – der Versuch, ein gesamtes Volk auszulöschen

Der armenische Genozid war eine der ersten systematischen Massenvernichtungen des 20. Jahrhunderts.
Er eignete sich während des Ersten Weltkrieges unter Verantwortung der jungtürkischen Regierung des Osmanischen Reichs mit der deutschen Beteiligung unter Führung von Kaiser Wilhelm II.

Im Auftrag des damaligen jungtürkischen Regimes begann am 24. April 1915 im osmanischen Konstantinopel die planmäßige Vertreibung und Vernichtung von ArmenierInnen.
Über eine 1,5 Millionen Menschen wurden aus ihren Häusern vertrieben, deportiert und ermordet.
Die Schätzungen zur Zahl der ArmenierInnen, die während der Verfolgungen in den beiden vorherigen Jahrzehnten getötet wurden, variieren zwischen 80.000 und 300.000.

Nach der türkischen Niederlage im Ersten Balkankrieg 1912, machten sich die Jungtürken zur Aufgabe, das Gebiet von allen „fremdstämmigen“ zu „reinigen“ und einen rein türkischen Nationalstaat durchzusetzen. Zugleich wollten sie sich an der armenischen Bevölkerung rächen, welche ihnen keine Kriegshilfe leistete und Aufstände organisierte.

So begannen die Überfälle auf armenische Dörfer:
Frauen wurden verschleppt und vergewaltigt, Männer wurden enthauptet, Leichen wurden verbrannt und geschändet, Geflüchtete verhungerten und verdursteten.
Auch Häuser und Wohnungen sowie persönlicher Besitz jeder Art – wurde gewaltsam von den Betroffenen enteignet, hunderte armenische Schulen und Einrichtungen wurden geplündert, zerstört oder in Moscheen umgewandelt; viele weitere historische Monumente, Kunstwerke und Kulturgüter wurden vernichtet oder gingen für immer verloren.

Zugleich begann die Deportation der ArmenierInnen:
Ohne Wasser und Nahrung wurden die BewohnerInnen in Trecks gezwungen, die zu endlosen Todesmärschen wurden. Besonders fielen Kinder diesen Märschen zum Opfer. Diejenigen Menschen, die die Lager erreichten, von denen viele am syrischen Euphrat lagen, verhungerten dort oder wurden anschließend getötet.

An dem Genozid beteiligten sich unter türkischen Befehlen auch zahlreiche kurdische BürgerInnen und Soldaten, die Mitschuld an den Geschehnissen tragen. Aus diesem Grund sehen wir uns als Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) und Studierende Frauen aus Kurdistan (JXK) in der Verantwortung, die kurdische Beteiligung an dem Völkermord als Teil der Geschichte aufzuarbeiten und wahrhaftige Aufklärungsarbeit zu leisten.
Bereits in den Anfangszeiten (1978-80er Jahre) der Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans, wurde der Genozid an den ArmenierInnen als Kernelement in der Geschichte der KurdInnen aufgearbeitet und die Übernahme von Verantwortung und ein aufrichtiges Gedenken erzielt. Auch werden wir uns weiterhin darum bemühen, die Hintergründe des Völkermordes von 1915 wahrheitsgetreu zu dokumentieren.

Die Linie der Selbstverteidigung von ArmenierInnen und KurdInnen trifft sich heute nicht nur in Europa, sondern auch in Rojava und in den Qandil-Bergen, wo kurdische, armenische und internationalistische Verteidigungseinheiten Schulter an Schulter Widerstand gegen die türkische Besatzung und den sogenannten Islamischen Staat leisten (mehr dazu: https://anfdeutsch.com/rojava-syrien/armenisches-bataillon-in-nordostsyrien-gegruendet-10924 ).

Ein Völkermord, den die Türkei bis heute leugnet:

In zahlreichen Ländern wurde der Völkermord an den ArmenierInnen als solcher anerkannt.
Seit Jahrzehnten fordern die ArmenierInnen ein angemessenes Gedenken auch in der Türkei – jedoch noch immer vergeblich.
Die faschistische türkische Regierung, die aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen ist, bestreitet auch heute strikt, dass es sich um einen Völkermord handelte. Sie bezeichnet die Deportationen als „kriegsbedingte Sicherheitsmaßnahmen“, die notwendig gewesen seien, da die ArmenierInnen das Osmanische Reich verraten und seine damaligen Kriegsgegner unterstützt hätten.
Die Todesfälle führt sie auf „ungünstige Umstände“ und lediglich „vereinzelte Übergriffe“ zurück.

In vielen Fällen behaupten TürkInnen sogar, es hätte sich nicht um einen Völkermord gehandelt, sondern um reine Selbstverteidigung.

Die Türkei wird sich ewig weigern, sich mit ihrer faschistischen Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen.
Im Gegenteil: Die Türkei führt auch heute einen gezielten Krieg gegen ArmenierInnen und KurdInnen.

1915 – 2020: keine Veränderungen!

Selbst in der Diaspora lebende TürkInnen verleugnen den Völkermord an den ArmenierInnen heute noch mit allen Mitteln. An Universitäten werden zum offiziellen Gedenktag des Genozides landesweit Veranstaltungen von TürkInnen organisiert, die den Genozid als „Die Armenische Lüge“ präsentieren und wo sich junge TürkInnen an Märchenbüchern behaupten, sich wahrhaftig mit der türkischen Geschichte auseinanderzusetzen – ein Armutszeugnis für die kommende Generation an AkademikerInnen.

Der türkische Faschismus hat sich in Deutschland weiträumig etabliert und nimmt eine immer radikaler werdende Form an.
Türkische Gemeinden dienen dazu, Kriegspropaganda zu verbreiten, Hass gegenüber Minderheiten in der Türkei zu schüren und Kindern eine ultranationalistische Haltung anzuerziehen.
Die stolzen Untertanen Mustafa Kemals und Erdogans verkörpern, leben und lehren Hass!

Wir gedenken den Opfern des armenischen Genozides und appellieren an die Öffentlichkeit:
Faschismus tötet!
Macht euch zur Aufgabe, Faschismus überall die Stirn zu bieten, wo er sich zu etablieren versucht!
Seht, dass nationalistische, kapitalistische, faschistische und sexistische Strömungen die größten menschlichen Katastrophen hervorrufen!

1915 – niemals vergessen, niemals vergeben.