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Die zapatistische Delegation in Frankfurt

Am 22. September 2021 kam die zapatistische Delegation in Frankfurt an. Ein Freund berichtet von dieser historischen Begegnung.

Nach jahrelanger Planung mit einigen Rückschlägen ist es in diesen Wochen endlich soweit: Eine Delegation aus Chiapas, dem Kerngebiet des zapatistischen Aufstands, einem Ort der Inspiration für linke Kräfte auf der ganzen Welt, bricht auf und bereist den Rest der fünf Kontinente. Unter dem Motto „La gira por la vida – Die Reise für das Leben“ besuchen die Zapatisten auch Deutschland. Für das Europa „von unten und links“ bedeutet diese Reise eine Chance auf den Austausch mit Menschen, welche sich militant gegen den Neoliberalismus, den Kapitalismus, das Patriarchat und den Kolonialismus stellen und eine selbstverwaltete, ökologische und sich befreiende Gesellschaft aufbauen. Als Verband der Studierenden aus Kurdistan zeigen auch wir großes Interesse an dieser historischen Begegnung.

In Frankfurt durften wir bei der Ankunft am 22. September 2021 dabei sein. Unter tosendem Applaus und Gesängen wurden die rund 70 Compañer@s von hunderten Menschen in Bockenheim empfangen und zur Begrüßungsveranstaltung ins Café ExZess begleitet. Teile der Delegation brachen dann einen Tag später in verschiedene Städte und Gebiete Deutschlands auf, drei Gruppen blieben ein paar Tage länger, um mit den Menschen und Strukturen in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet in Austausch zu treten. So auch am 23. September mit einigen Vertreter*innen der kurdischen Bewegung. Als Studierendenverbände YXK/JXK Frankfurt waren wir auch dabei und konnten den Geschichten, Erzählungen und Eindrücken der Compas zuhören. Es war für uns ebenfalls sehr herzlich zu hören, dass die Menschen in Chiapas solidarisch mit uns sind und großes Interesse an der kurdischen Freiheitsbewegung zeigen.

Die Compas erzählten uns ausgiebig von 5 Botschaften, die sie uns, den solidarischen und befreundeten Bewegungen mitteilen wollen. Dabei handelt es sich um einen Abriss von der Geschichte der zapatistischen Bewegung. Angefangen von der Unterdrückung und Ausbeutung durch die Großgrundbesitzer in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, über den Aufbau der Bewegung im Untergrund, dem Widerstand gegen Staat und Militär und dem Beginn des bewaffneten Kampfes am 01.01.1994, der Erklärung der Autonomie der Dörfer von dem mexikanischen Staat bis hin zu dem Aufbau der „Guten Regierung“ mit demokratisch-konföderalen Strukturen. Diese Erfahrungen enthalten wichtige Lehren, die zielgebend für den Aufbau der demokratischen Zivilisation ist. Die Diskussionen um diese Erfahrungen und Lehren werden uns alle sicherlich in der nächsten Zeit beschäftigen. Bei dem Austausch wurden trotz aller Unterschiede, die Gemeinsamkeiten zwischen der zapatistischen und kurdischen Realität deutlich. Es ist das gemeinsame Verständnis eines neuen Lebens, welches Serok APO (Abdullah Öcalan) auf den Grundpfeilern einer wahrhaften Demokratie, der Frauenbefreiung und der Ökologie entwickelt, das diese Freundschaft über Kontinente hinweg ermöglicht. 

Auf weitere inhaltliche Details möchten wir an diesem Punkt verzichten. Wir laden euch viel lieber dazu ein, zu einem der Treffen mit den Compañer@s in eurer Nähe zu gehen und ihnen selbst zuzuhören. Auch wenn ein Abend, ein Tag oder eine Woche viel zu kurz sind, so schätzen wir solche freundschaftlichen Begegnungen und gemeinsamen Kämpfe, denn genau diese helfen uns allen auf unseren Wegen für ein neues und freies Leben.

Weitere Infos zur „Reise für das Leben“:

 

 

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