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Bericht zum 28. Hüseyin Celebi Literaturfestival

Nach einem Jahr Pause fand am 23.10.2021 in Basel das mittlerweile 28. Hüseyin Celebi Literaturfestival statt. Wir als kurdische Studierende und studierende Frauen der YXK/JXK sehen es seit Jahrzehnten als unsere Aufgabe und als eine Würde, den Geist unseres Mitbegründers und Ehrenvorsitzenden Hüseyin Celebi durch das Literaturfestival aufleben zu lassen.

Mit dem Gedenken an eben jenen, aber auch an jede:n andere:n im Zuge des Freiheitskampf Gefallene:n, begann das Festival am Samstag. Unsere Moderator:innen hießen daraufhin die, trotz der spontanen technisch bedingten Verlegung von Freiburg nach Basel, zahlreich erschienenen Gäste im vollen Saal herzlich Willkommen. In einer Rede der Freund:innen wurde dann deutlich, warum wir uns in der Pflicht sehen, dieses Festival Jahr für Jahr zu veranstalten. „Literatur lässt die Seele, die normalerweise nicht ausgesprochen wird, zu Wort kommen [und] kann die verdeckten Seiten der Wirklichkeit aufdecken.“ Literatur ist wie jede Kunst ein Mittel des Widerstands. Sie hat insbesondere im Kampf für unsere Freiheit eine wichtige Funktion. Im Kampf gegen den Kolonialismus und der Assimilation ist es unabdingbar, unsere kurdische Sprache am Leben zu halten, sie zu ihrer Entfaltung zu bringen und so die Lebendigkeit unserer Sprache zu würdigen. Genau dies wollte auch Hüseyin Celebi mit seinen Gedichten bezwecken, welche er teilweise im Gefängnis, teilweise in Freiheit und sogar auf den Bergen Kurdistans verfasste.

Im Zuge dessen wurden im Laufe des Abends einige Preise in den Kategorien „Gedicht“ und „Kurzgeschichte“, auf kurdisch, aber auch auf türkisch und deutsch vergeben. Einige der Gewinner-Werke wurden auf der Bühne vorgetragen. Die in diesen Gedichten zur Erscheinung tretende Wahrheit berührte uns alle zu tiefst.

Gedicht Kurdisch

1. “Lorînên Welêt” – Tewîq Hêja

2. “Dengê Bêdengîyê” – Burhan Çelik

3. “Li pişt wan Çiyayên Han” – Musa Şanak 

Kurzgeschichte Kurdisch

1. “Maçê” – Jana Ba

2. “Xeloyê Qop” – Ersin Akgöz

3. “Leyla” – Ramazan Kiran

Gedicht Türkisch

1. “Karanfil” – Sibel Kaya

2. “Bizim Oralar” – Mehmet Nuri Özen

3. “Surların Ardında” – Cezmi Kartal

Kurzgeschichte Türkisch

1. “Bekleyiş” – Nimet Sevim

2. “Evin içinde Başka Biri Var” – Mehmet Nuri Özen

3. “Unutmak ihanettir” – Bahoz Dersim

Gedicht Deutsch

1. “Das Feuer In Uns” – Alina Zimmerman

Emotional war auch der Vortrag von Heval Gisela Dutzi, welche Auszüge aus den Briefwechseln von Hüseyin Celebi und Christa Eckes vorlas. Eckes, mittlerweile verstorbenes Mitglied der RAF, lernte Celebi während ihres Gefängnisaufenthalts Ende der 80er kennen, zur Zeit der Düsseldorfer Prozesse, bei denen viele kurdische Aktivist:innen, unter anderem Hüseyin Celebi, in Isolationshaft gehalten wurden. Heval Gisela trug einige der Briefe vor und betonte so die gemeinsame Liebe zur Freiheit und die innige Freundschaft, welche beide Gefangenen vereinte und so sinnbildlich für die Solidarität zwischen dem kurdischen Volk und dem linken, widerständigem Europa ist.

Im Verlauf des Abends wurde nicht nur die Literatur gefeiert, auch interessante bildende Kunst war zu sehen. Der Künstler Serdar Mutlu stellte einige seiner Werke aus, teilweise sogar erstmals, und erntete viel Lob und Anerkennung. Abgerundet wurde der Abend durch Musik und Tanz. Auf der Bühne traten Hozan Semdin sowie Hivron auf und verleiteten das Publikum zum gemeinsamen Govend vor der Bühne.

Der Tag nahm dann mit lauten Parolen sein Ende. Der noch immer volle Saal ehrte nocheinmal die Gefallenen und rief zur Freiheit von Serok APO (Abdullah Öcalan) und einem freien Kurdistan auf. Wir blicken nun bereits sehnsüchtig auf das Festival im nächsten Jahr und freuen uns darauf, auch dann wieder die Kunst und den Widerstand gemeinsam zu feiern.

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