Geschichte Kurdistans

Einfall von Türkischen und Mongolischen Stämmen im Mittleren Osten

Die Einwanderung bzw. der Einfall der türkischen Völker in den Mittleren Osten brachte das Gleichgewicht erheblich auseinander und führte zu neuen politischen Konstellationen.
Nachdem die Seldschuken, ein Zweig des im 8. Jahrhundert aus Transoxanien (heutiges Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan) eingewanderten türkischen Stammesverbands der Oghusen, Ende des 10. Jh.s den Islam annahmen und somit den Schamanismus über Bord warfen, drangen sie unter dem Gründer Seldschuk (türk: Selçuk) in die Herrschaftsgebiete der Perser ein. Unter seinen Söhnen brachten sie 1034 Horassan unter ihrer Herrschaft und verdrängten 1040 mit der siegreichen Schlacht von Dandânakân die persischen Ghaznawiden. 1055 zog Tughril in Bagdad ein und beendete die über hundertjährige Schutzherrschaft der persisch-schiitischen Bujiden. Damit wurden die Seldschuken nach dem Sturz der Bujiden Schutzmacht über das Abbasiden-Kalifat in Bagdad. Doch die Seldschuken gaben sich mit der Funktion der Schutzmacht des Khalifen nicht zufrieden und hatten ihre Machtambitionen. Unter Tughril Beg unterwarfen die Seldschuken große Teile Persiens (auch Teile Ostkurdistans) und den ganzen Irak. Tughril Beg erhielt vom Kalifen in Bagdad den Titel eines Sultans verliehen.
Die anschließend einhergehende Gründung des Reiches der Großseldschuken und die türkische Dominanz in der islamischen Welt markierten einen Wendepunkt in der Geschichte der islamisch dominierten Welt. Zu einem Zeitpunkt, als die Welt des Islam an inneren und äußeren Krisen litt, schafften die Seldschuken mit ihrer Einwanderung die Wiederherstellung der politischen Einheit der islamischen Welt.
Alp Arslan (1063-1072) führte das Reich der Großseldschuken zum Höhepunkt seiner Macht. Alp Arslan war es ebenfalls, der 1071 in der Schlacht von Malazgirt (Manzikert) bei Mus das Byzantinische Reich besiegte und damit die türkische Eroberung Anatoliens einleitete. Bei dieser Schlacht in Kurdistan stellten sich die Kurden auf die Seite der Seldschuken, weil sie sich eine Befreiung von der Unterdrückung durch die Byzantiner erhofften und die Seldschuken als Moslems ihnen näher standen. Dies war historisch gesehen der erste entscheidende Kontakt zwischen Kurden und Türken. Infolge der anschließenden Eroberung Anatoliens kam es zur zahlreichen Einwanderung von Türken, die sich über ganz Anatolien verteilten. Sie zogen meistens durch Kurdistan, ohne sich in großer Anzahl niederzulassen. Überhaupt spielen im späteren Verlauf der Geschichte die in Kurdistan, Mesopotamien, Iran oder Arabien eingewanderten türkischen Gruppen keine wichtige politische Rolle, teilweise werden sie von den ansässigen Kulturen assimiliert. Zwischen 1071 (Schlacht von Malazgir) und 1243 wanderten wahrscheinlich bis zu eine Million Türken in Anatolien ein. Sie bildeten nicht die ethnische Mehrheit in Anatolien, waren aber die einzige Gruppe, die sich über das gesamte Gebiet verteilt hatte. Die Landnahme Anatoliens durch die Seldschuken im 11. Jahrhundert bildete den Gipfel der massiven Wanderungen der türkischen Völker, die ab dem 8. Jahrhundert erfolgten.

1073
Das Reich der Großseldschuken wird unter Melikschah (1073-1092) gegründet. Es wird zum mächtigsten Staat im Vorderen Orient. Es umfasst Mesopotamien, Kurdistan, Anatolien, den Iran und Syrien/Palästina. Es kann sich jedoch nicht wirklich lange auf den Beinen halten. Dies liegt an der Größe des Reiches und der vielen verschiedenen Völker und der von ihr ausgehenden Widerstände. Die Zahl der Türken/Seldschuken gegenüber den ansässigen Völkern ist auch viel zu klein. Auch die christlichen Kreuzzüge ab Ende des 12. Jh.s tragen zu dieser Schwächung bei.

1092-1118
Mit der Ermordung des wichtigen Wesirs Nizâm al-Mulk durch die Assassinen und dem Tod von Sultan Melik-Schah (1092) brachen bald Thronkämpfe innerhalb der Seldschuken aus. Diese führten 1118 zur Teilung des Reiches in Horassan, Irak und Iran (letztere auch beide Irak genannt). Unter dem in Horassan regierenden Sultan Sandschar (1118-1157), Sohn Malik-Schahs II., hatte die Seldschukenherrschaft eine letzte Blüte.
Die Assassinen waren eine legendenumwobene militante ismailitische Sekte angeführt von Hasan el-Sabah. Diese haben ihre Stellung in der Burg Alamut im nordiranischen Elburs-Gebirge, wo Männer zu „Fedai“ (Untergrundkämpfer, die bei Angriffen ihren Tod in Kauf nehmen) ausgebildet wurden, um Anschläge gegen herrschende Seldschukenherrscher durchzuführen. Die Assassinen hatte sowohl eine religiöse als auch nationale Ausrichtung.

11. Jh.
In Ost-Kurdistan lebte Baba Tahir, einer der ersten und bedeutendsten kurdischen Dichter. Von ihm sind jedoch wegen den ständigen Überfälle und Besetzungen wenige Verse überliefert.

Ende 11. Jh. bis 12. Jh.
Die Dynastie der Artukiden war ein turkmenisches Herrscherhaus, was im 11. und 12. Jahrhundert in Teilen von Nord-, Südkurdistan und Nord-Syrien regierte. Die Hauptstädte waren Amed und Hasankeyf. In diesen Orten wurde trotz vieler kriegerischer Auseinandersetzungen die Kultur und Kunst gefördert. Es nahm an den Kreuzzügen auf Seiten der Moslems teil und stand immer wieder in Konflikt mit den Seldschuken. Ende des Jh.s kam das Gebiet unter die Herrschaft von Selaheddin Eyyubi.

1099
In Europa bildeten sich Ende des 11. Jh.s Heere, die zur „Befreiung“ Jerusalems und des „Heiligen Landes“ aufriefen. Die so genannten Kreuzzüge waren religiös und wirtschaftlich motiviert und verdeutlichten auch die inzwischen gewachsene politisch-wirtschaftliche Stärke des christlichen Europas. 1099 wurde Jerusalem von einem Kreuzfahrerheer erobert. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Bildung von insgesamt vier Kreuzfahrerstaaten. Deren Bedrohung durch die muslimischen Anrainerstaaten führte zur Durchführung weiterer Kreuzzüge. Die Kreuzzüge wurden nach kurzer Zeit allerdings auch zu rein weltlichen Machtinteressen innerhalb des Christentums genutzt.

Mitte 12. Jh.
Die Seldschuken wurden auch von weiter anrückenden türkischen Stämmen angegriffen. Diese beseitigten 1194 den letzten Seldschukenherrscher. Nach dem beginnenden Zerfall des Großseldschukenreichs entsteht das Sultanat der anatolischen Seldschuken oder Rumseldschuken mit der Hauptstadt Konya, die zur wichtigsten türkischen Herrschaftsbildung dieser Jahre wurde, was durch eine gewonnene Schlacht 1176 gegen die Byzantiner ermöglicht wurde.

1171-1250
Der Kurde Sultan Selaheddin Eyyubi von der kurdischen Dynastie der Eyyubiden einigt die Araber nach Jahrzehnten der Spaltung und erobert am 2. Oktober 1187 Jerusalem zurück. Dieser Sieg gilt als eine Vorentscheidung für die weiteren Kreuzzüge.
Der Onkel von Selaheddin Eyyubi, Sirkuh, der für die Zangiden in Syrien als General im Dienst war, wurde 1169 vom damaligen Khalif von Damaskus nach Ägypten gerufen, um das dortige Reich als Wezir zu stützen. Dies konnte er auch vollbringen. Nach dem Tod von Sirkuh übernahm Selaheddin Eyyubi die totale Macht in Ägypten und stellte die sunnitische Orthodoxie in Ägypten wieder her. 1171 wurde dann die Eyyubiden-Dynastie gegründet. 1174 stürzte er auch den Khalif von Damaskus und verleibte Syrien in sein Reich. Damit hatte er die Macht, Jerusalem einzunehmen, was ihm auch relativ schließlich gelang. Bis 1189 eroberte er weite Teile der Kreuzfahrerstaaten Jerusalem, Tripolis und Antiochia. Erst der Dritte Kreuzzug konnte ihn daran hindern, die Kreuzfahrerstaaten vollständig zu vernichten. Während diesem verlor er 1191 die wichtige Hafenstadt Akko und erlitt eine Niederlage gegen Richard Löwenherz bei Arsif. Ein Jahr später kam es zum Waffenstillstand zwischen ihm und seinem Gegner. 1193 starb er im Alter von 55 Jahren in Damaskus, und sein Reich begann alsbald zu zerfallen. Das Reich der Eyyubiden-Dynastie umfasste damals das Gebiet von Ägypten bis Nord-Kurdistan.
Als Sultan Selaheddin wurde er zu einem Mythos und Freiheitsheld, zum größten aller Helden der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. Doch für die Kurden hat er jedoch nichts Besonderes getan, sich nicht für ihre Autonomie oder Entwicklung getan. Dieses Verhalten kann als typisch für viele Kurden bezeichnet werden, die im Laufe der Geschichte für die türkischen, arabischen oder persisch-iranischen Staaten in verschiedener Form in Schlüssel- oder Führungsposition gedient haben. Einige Jahrhunderte früher hatte auch Ebu Muslim Horrasani gehandelt gehabt.

1220 bis etwa 1280
Im Mittleren Osten wird der Mongolensturm wegen seiner Brutalität genauso traumatisch wie die Kreuzzüge empfunden. Um 1220 war das Reich der Choresm-Schahs im Iran zerstört, die Rum-Seldschuken in Kleinasien wurden 1243 zu Vasallen degradiert, und das Abbasiden-Kalifat mit Sitz in Bagdad ging 1258 unter. Die Mongolen verwendeten das Konzept der „psychologischen Kriegführung“ in vollem Umfang. Auf Widerstand reagierten sie selbst für die damalige Zeit ungewöhnlich hart, mit Erdöl übergossene und verbrannte Pyramiden aus tausenden abgeschlagener Schädel (Schädeltürme) sind überliefert. Erst ab 1260 erlitten die Mongolen die ersten Niederlagen im Mittleren Osten und etwa 20 Jahre später zogen sie sich wieder zurück.
Ab etwa 1240
Die Mongolen eroberten auch große Teile von Kurdistan und hinterlassen grausame Verwüstungen. Unzählige Kurden wurden ermordet. Städte wie Kermanshah, Hamadan und Amed (1250) wurden geplündert und niedergebrannt. Viele kulturelle Hinterlassenschaften wurden für immer ausgelöscht. Auch die Natur Kurdistans wurde durch die Waldbrände der Mongolen trockener und öder. Nach dem Einfall wurden die kurdischen Provinzen von mongolischen Emiraten für mehrere Jahre verwaltet.
Durch das Vordringen der Mongolen nach Westen zogen die türkischen Stämme vollständig nach Anatolien und bildeten dort in einigen Gebieten die Majorität.

Mitte 13. Jh.
Zwei der wichtigsten in Kurdistan gebliebenen türkischen Stämme waren die Akkoyunlu (Weißhammel) und die Karakoyunlu (Schwarzhammel). Die Akkoyunlu waren eine turkmenische Stammesföderation, die nach der Mongolenherrschaft in Amed aufstieg. Sie beherrschten Nord-Kurdistan, Aserbaidschan und weite Teile des Irak und des Iran bis 1507. Sie unternahmen viele räuberische Streifzüge in benachbarte Gebiete und waren so auch eine Gefahr für die Osmanen.
Der Akkoyunlu Staat hatte sein Zentrum in Kurdistan. Dabei bildeten sie jedoch nur die Oberschicht, die breite Masse waren die Kurden. In diesem Staat gab es mehrere kleine autonome kurdische Lokalherrscher, die sich bei Schwächung der Zentralmacht zeitweilig ausweiteten.

1250
In Ägypten wurde der Mamlukenstaat gegründet, welcher bis 1517 existieren konnte.

1256-1335
Im den meisten Gebieten von Zentral- und Ost-Iran und Zentralasien herrscht von 1256 bis 1335 die mongolische Dynastie der Ilchane.

Um 1300
Nach Abzug der Mongolen bildete sich Ende des 13. Jh.s in Nordwestanatolien um die Stadt Bursa das Osmanische Fürstentum unter Osman – dieser stand vorher in Diensten der Seldschuken. Es ist zunächst eines der vielen türkischen Fürstentümer. Um 1299 erklärte Osman die Unabhängigkeit vom Reich der Rum-Seldschuken, womit der Osmanische Staat als gegründet galt. Die Osmanen dehnten in kürzester Zeit ihre Macht auch auf andere türkische Fürstentümer aus und erweiterten ihren Herrschaftsbereich auch auf Kosten des Byzantinischen Reiches. In einigen Jahrzehnten kamen große Teile von West- und Mittelanatolien unter die osmanische Kontrolle und die Byzantiner wurden aus Anatolien verdrängt. Ab 1361 wurden auch europäische Gebiete erobert.
Bei den erfolgreichen Eroberungen spielten u.a. die Janitscharen eine wichtige Rolle, die sog. Elitetruppen der Infanterie. Sie stellten auch die Leibwache des Sultans und erreichten oft höchste Positionen im osmanischen Staatswesen. Von Zeit zu Zeit mischten sich die Janitscharen in die vielen Machtkämpfe direkt ein. Der jeweilige Sultan musste unbedingt ihre Gefolgschaft sichern.

1389
Die Osmanen drangen in Europa vor und schlugen die Serben und Bosnier auf dem Amselfeld, womit sie in Europa fest Fuß fassen. Der europäischere Teil des Reiches wurde damit wichtiger.

1400
Der mongolische Herrscher Timur aus Mittelasien eroberte aus dem Osten kommend fast den ganzen Mittleren Osten, darunter Kurdistan. Das osmanische Reich zerfiel nach einer verlorenen Schlacht 1402 schnell auseinander. Die Verwüstungen, Zerstörungen und Plünderungen übertrafen teilweise die der ersten Mongolenstürme. Timur hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Iran und Kurdistan bis Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel.

Um 1420
Nach dem Tod von Timur bündelten die Osmanen ihre Kräfte und gelangen in kurzer Zeit zu ihrer alten Stärke. Ganz Mittel- und Nord-Anatolien, Griechenland und viele Teile des Balkans waren um 1500 unter osmanischer Hegemonie.

1435-1478
Ab 1435 geriet die Föderation der Akkoyunlu unter den Druck der Karakoyunlu und verlor viele der beherrschten Gebiete. Ihr Territorium schrumpfte wieder auf das Ausgangsgebiet um Amed zusammen und die Schwarzen Hammel erlangten die Vorherrschaft unter den Turkmenen. Unter Uzun Hasan (1453-1478) kam es erneut zum Aufstieg und zur Glanzzeit der Weißen Hammel. Zu seiner Zeit reichten die Grenzen des Reiches vom Kaspischen Meere bis Syrien und von Aserbaidschan bis Bagdad. Die Herrschaft Uzun Hasans war den nomadischen Traditionen entsprechend indirekt. Er forderte die jährlichen Tribute und Steuern von den örtlichen Fürsten, baute aber bis zur Verlegung der Hauptstadt nach Täbriz keine feste Residenz und errichtete keine tragfähigen Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen. Von der Bautätigkeit der Akkoyunlu ist nicht viel erhalten.

1453
Die Osmanen eroberten unter Fatih Sultan Mehmet Konstantinopel, das spätere Istanbul, von den Byzantinern, deren Staat für immer von der Geschichtsbühne verschwindet.

1461
Die Eroberung von Trapezunt durch das Osmanische Reich 1461 konfrontierte die Akkoyunlu mit diesem neuen Gegner.

Ende des 15. Jh.s
Der osmanische Sultan Mehmed II. konnte nach vielen mühsamen Kämpfen bis 1460 die Peloponnes und den Rest Serbiens erobern. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu.

1478-1507
Uzun Hasans Sohn Yaqub (reg. 1478-1490) hielt den Akkoyunlu Staat zusammen, indem er die Großen des Reiches für sich zu gewinnen suchte und Kriege soweit möglich vermied. Er schlug 1480 eine ägyptische Streitmacht, die zur Eroberung Ameds ausgesendet worden war. Die Blütezeit seines konnte Vaters konnte er fortsetzen. Problematisch wurde die Lage aber erst, als Yaqub 1490 plötzlich starb und seine Nachfolger in einen Thronfolgestreit gerieten, der das Land in chaotische Zustände versetzte. Dadurch gerieten die Aq Qoyunlu zunehmend unter den Druck der aufstrebenden Safawiyya unter Ali und dem jugendlichen Ismail, wobei letzterer 1501 gegen den Thronanwärter Alwand Täbriz eroberte und 1507 den letzten Regenten der Aq Qoyunlu in Mardin stürzte.

1501
Im Iran entstand die neue persische Dynastie der Safawiden, die bis 1722 Bestand hatte. Mit der Eroberung von Täbriz durch Ismail I. und dem Sturz der turkmenischen Akkoyunlu wurde dieser Staat ins Leben gerufen, der schnell ganz Iran, Irak (1507) und die meisten Gebiete Kurdistans in sein Einflussbereich brachte. Es stieg in den kommenden Jahrhunderten zum ständigen Rivalen der Osmanen auf. Mit der Schaffung eines einheitlichen Staates und der Einführung der Zwölferschia (Schiitismus) als Staatsreligion wurden die Grundlagen des heutigen Iran gelegt. Sah Ismail I. machte eine Konvertierung für die große sunnitische Bevölkerung verbindlich. Die sunnitische Ulema (Klerus) wurden entweder getötet oder verbannt. Ismail I. brachte trotz seiner heterodoxen schiitischen Glaubensvorstellung schiitische religiöse Führer ins Land, schenkte ihnen Land und Geld für ihre Loyalität. Iran wurde zu einer feudalen Theokratie; der Schah war das göttlich bestimmte Haupt des Staates und der Religion.
Weiterhin bemühte sich Sah Ismail I. um den Ausgleich zwischen den nomadischen Turkmenen (im Militär) und den sesshaften Persern (in der Verwaltung). So entstand unter den Safawiden der Bund der „Kizilbasch“: Elitesoldaten, die anfangs nur aus Turkmenen bestanden und später auch unter anderem aus Persern und Georgiern. Die Kizilbasch erlangten unter den Safawiden viel Ansehen und Ruhm.

1512
Selim I. wurde osmanischer Sultan (Yavuz Sultan Selim I.). Er wendete sich vor allem nach Osten, nach dem in Europa die Eroberungen zum Stillstand kommen.

ab 1512
Kurdistan wurde Schauplatz von Kämpfen zwischen dem Osmanischen und dem Safawidenreich. Dabei spielten die Kurden aufgrund ihrer geographischen Zwischenposition eine entscheidende Rolle, deshalb benötigen beide Seiten die dringende Unterstützung der kurdischen Feudalherren. Die Kurden waren zu Beginn des Konflikts weitgehend unter safawidischen Einfluss. Doch Sah Ismail I. verhielt sich wenig tolerant gegenüber den Kurden und stellt keine substanzielle Autonomie in Aussicht. So scheiterten die Näherungsversuche kurdischer Fürsten im Jahre 1510 an das Safawidenreich, das sie sogar verfolgen lässt. Dann traten die Kurden unter Idrisi Bitlisi, einflussreiche Person aus Bitlis, der schon zuvor für die Osmanen gedient hatte (er hat eine diskutable Rolle in der kurdischen Geschichte. Während viele Kurden ihn als „Verräter“ bezeichnen, da er die Kurden an die Osmanen gebunden hätte, weshalb er auch Iblisi Bitlisi (Teufel von Bitlis) genannt wird, befinden ihn andere als klugen Fürsten, der für die Kurden in der damaligen schwierigen Zeit viel herausholte), mit den Osmanen in Kontakt. Die Osmanen sicherten sich die Unterstützung der kurdischen Lokalfürsten, indem sie ihnen die Umwandlung ihrer Besitztümer in erbliche Fürstentümer anboten. Diese kurdischen Herrschaften (türk: Kürt Hükümetleri) mussten keinen Tribut zahlen und keine Soldaten für die osmanische Zentralregierung stellen. Daneben gab es noch die kurdischen Sandschak’s, deren Gouverneure per Erbe bestimmt wurden, aber trotzdem wie alle Sandschak’s Steuern zahlten und Soldaten bereitstellten. Im Osmanischen Reich war das nicht üblich. Normalerweise wurden Ländereien nur auf Lebenszeit an kriegsverdiente Soldaten verteilt. Die Reorganisierung und Eingliederung Kurdistans ins osmanische Verwaltungssystem übernahm im Einzelnen Idrisi Bitlisi. Die Osmanen schafften es somit, die überwiegend sunnitisch eingestellten KurdInnen an sich zu binden, um dann im anschließenden Krieg leichtes Spiel zu haben. Nur die wenigen im Südosten Kurdistans lebenden schiitischen KurdInnen standen den Persern nahe. Durch diesen Pakt zwischen den osmanischen Herrschern und den kurdischen Fürsten konnten die Türken in der Geschichte zum zweiten Mal (nach der Schlacht von Malazgirt 1071) mit Hilfe einen historischen folgenreichen Sieg erringen.
Alle diese Ereignisse zeigen auch, wie fremde Mächte die KurdInnen auf Grundlage der verschiedenen Religionen und Konfessionen ausnutzen und über sie zu herrschen versuchen.