JXK-Selbstverständnis

Die JXK (Jinên Xwendekar ên Kurdistan – Studierende Frauen aus Kurdistan) ist die autonome Frauenorganisierung des Verbands der Studierenden aus Kurdistan (YXK). In ihr organisieren sich Schülerinnen, Studentinnen, Auszubildende und Arbeiterinnen, die sich politisch und feministisch engagieren. Die JXK hat sich nach ihrem Neustrukturierunskongress im Januar 2016 aus der damaligen YXK-Jin heraus gegründet. Die JXK organisiert sich im Dachverband der Jinên Ciwan ên Azad (“Freien jungen Frauen”), welche politische Arbeiten in Deutschland sowie Europa ausübt.

Unser Ziel ist eine basisdemokratische, ökologische, ökonomisch gerechte und geschlechterbefreite Gesellschaft. Dabei nehmen wir uns den Kampf der kurdischen Frauenbewegung und die Revolution der Frauen in Kurdistan nicht nur als Beispiel, sondern versuchen ihn zu unterstützen und sehen uns als ein Teil dessen. Den Kampfgeist der kurdischen Frauen wollen wir auch in uns wecken und nehmen uns die Frauenbewegung in Kurdistan dabei als Vorbild. Als in der Diaspora lebenden kurdischen Frauen sehen wir uns nicht nur mit patriarchalen und kapitalistischen Verhältnissen konfrontiert, sondern auch mit einer starken Assimilierung und Kriminalisierung unserer vielschichtigen Identitäten.

Nach dem Motto der kurdischen Frauenbewegung: “Die freie Frau ist die freie Gesellschaft!” sehen wir das Zusammenspiel der verschiedenen Unterdrückungsmechanismen gegen die Menschheit, speziell gegen die Frau, im bestehenden Patriarchat als einen Hauptwiderspruch, den es zu bekämpfen gilt.

Die patriarchale Herrschaft ist durch Mythologien, Religionen und positivistischen und rationalistischen Theorien in den Köpfen der Menschen verankert, welche aufgebrochen werden sollen. Durch diese Herrschaft werden Frauen benachteiligt, diskriminiert und in verschiedene Rollen gedrängt, die das Patriarchat für sie entworfen hat. Machtausübung gilt dabei als ein Instrument der Herrschaft, denen Frauen überall auf der Welt ausgesetzt sind.

Dieser Denkweise, die vor allem im kapitalistischen Staat und seinen Institutionen am stärksten ausgeprägt ist, stellen wir etwas gänzlich anderes gegenüber: die Jineolojî, auch Wissenschaft der Frau genannt. Doch anders als bei dem uns bekannten Wissenschaftsbegriff geht es nicht um eine akademisch-elitäre Forschung in den systemimmanenten Hochschulen. Die Jineolojî hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Lebensbereiche aus nicht-männlicher Perspektive zu beleuchten, und zwar nicht aus den „Elfenbeintürmen“ der Universitäten, sondern direkt aus dem Leben, aus der Gesellschaft. In der Geschichte des 5000-jährigen Patriarchats wurde die Geschichte nämlich stets aus der Perspektive der Herrschenden, und somit von Männern erzählt. Doch auch Frauen haben seit jeher gelebt und gewirkt und tun dies auch heute. Ihre Geschichten, Positionen und Stimmen gilt es mit diesem Ansatz der noch jungen Jineolojî wahrnehmbar zu machen. Die Jineolojî steht im Zentrum einer freiheitlichen Soziologie, mit der die Welt und die herrschenden Mentalitäten verändert werden können. Wir machen es uns zur Pflicht, die Jineolojî zu füllen und zu verstehen. Als studierende Frauen sehen wir uns in der Aufgabe, uns dem patriarchalen Gedankengut der Bildungseinrichtungen zu widersetzen und dem unser ökologisches, basisdemokratisches und geschlechterbefreites Paradigma entgegenzubringen.

Die patriarchale Denkweise greift bis in den Geist der Frau und verwüstet ihr Bewusstsein. Innerhalb der kapitalistischen Moderne wird sie dazu getrieben in übertriebenes Konkurrenzdenken zu verfallen und eine selbstsüchtige und rücksichtslose Persönlichkeit zu entwickeln. Das Konkurrenzdenken, welches die Vereinzelung und Entsolidarisierung unter Frauen hervorruft, muss abgelehnt werden. Frauensolidarität ist dementsprechend eines der stärksten Waffen um unseren Widerstand zu stärken.

Innerhalb von gemischt-geschlechtlichen Räumen ist eine Auflösung der patriarchalen Rollenbilder und Verhaltensmuster nicht möglich. Dazu müssen sich, nach dem Vorbild der Frauenbefreiungsideologie der kurdischen Bewegung, Frauen autonom und losgelöst von männlichem Einfluss, sei es in Form von Männern, patriarchalen Gedanken oder Gefühlen organisieren. Wir als JXK sehen es als Notwendigkeit, denn nur in autonomen Strukturen kann ein geschützter und befreiter Raum für uns geschaffen werden.

In der JXK haben wir die Möglichkeit gemeinsam die dominierenden Systeme zu analysieren und einen Weg zu finden, dieses Muster zu brechen. Nur gemeinsam bilden wir eine eminente Gegenkraft gegen das Patriarchat. Daher wollen wir die Solidarität unter Frauen auf alle Lebensbereiche ausweiten. Gerade durch Bildungsseminare für Frauen soll das Bewusstsein der Frauen für ihre eigene Identität gestärkt und erhöht werden. Kollektive Stärke entwickelt sich durch jede einzelne Frau, die sich ihrer Situation bewusst wird und bereit ist gegen ihre Fesseln, gegen ihre Rollen und gegen die Diskriminierung Widerstand zu leisten. Der erste Schritt dabei ist die Hinterfragung der eigenen Rolle der Frau, aber auch eine kritische Untersuchung der Rolle des Mannes und das ihm überlegende ausbeuterische System.

Wir heißen alle Frauen bei der JXK willkommen, die sich unserem Kampf gegen das Patriarchat anschließen möchten.

kämpferisch,
Jinên Xwendekar ên Kurdistan